Fahrer stark machen

Fernfahrer Udo Skoppeck engagiert sich für schlecht bezahlte Kollegen.

Lesezeit ca. 3 Minuten
Text: Juliane Gringer
Fotos: Jan Bergrath

Der Verein „Allianz im deutschen Transportwesen e.V.“ gibt Lkw-Fahrern eine Stimme und setzt sich für faire Löhne sowie Unfallprävention ein.

Lastkraftwagenfahrer tragen viel Verantwortung, doch nicht alle von ihnen arbeiten unter guten Bedingungen und werden gerecht bezahlt. Trotz starkem Fahrermangel haben sie auch keine starke Lobby. Der Verein „Allianz im deutschen Transportwesen (Straßentransport) e.V.“ (AidT e.V.) will das ändern, setzt sich gegen illegale Kabotage und Sozialdumping ein und gibt betroffenen Fahrern ein Forum und eine Stimme.

Udo Skoppeck ist einer der Gründer des Vereins. Er fährt selbst seit vier Jahrzehnten Lkw und hat einen fairen Arbeitgeber: „Ich arbeite in einem Unternehmen, in dem der Fahrer und ein Gehalt etwas gelten“, so Skoppeck. „Das ist in der Branche leider oft anders.“ Umso größer ist sein Engagement für Kollegen.

EU-WEIT Mindestlohn etablieren

Seit Januar 2014 ist Skoppeck Vorsitzender der Allianz. Deren Ziele sind klar formuliert: „Wir wollen Sozialdumping verhindern, fairen Wettbewerb fördern und die Menschen nicht auf der Strecke lassen“, erklärt er. „Ein Mindestlohn über einen EU-weit gültigen Tarifvertrag soll etabliert werden. Wir wünschen uns eine Lösung für ganz Europa, doch dafür müssen noch viele politische Weichen gestellt werden. Das ist eine Mammutaufgabe, die unsere Generation sehr wahrscheinlich nicht mehr bewältigen können wird.“ Ein Gerichtsurteil aus dem Januar 2019 bedeutet einen großen Schritt dahin: Eine Klage polnischer Speditionen gegen die Geltung des deutschen Mindestlohngesetzes wurde vom Finanzgericht Berlin-Brandenburg abgewiesen. Demnach ist der Mindestlohn auch ausländischen Fahrern zu zahlen, sofern diese in Deutschland tätig sind.

Den Impuls für Skoppecks Initiative gaben negative Schlagzeilen, die 2012 eine lettische Spedition machte, weil sie philippinische Fahrer zu Hungerlöhnen beschäftigte. Dieser Fall von Lohndumping sorgte europaweit für Unruhe unter Fahrern. Viele tauschten sich online aus – und aus diesem Austausch entstand die niederländische Internetbewegung „Actie in de Transport“. Auch Udo Skoppeck wurde damals aktiv und organisierte gemeinsam mit anderen Gruppen in Deutschland die erste Kundgebung der Kraftfahrer in Europa. Zudem richtete er eine Facebook-Gruppe ein, um sich mit Kollegen zu vernetzen und Missstände aufzudecken.

Demos und Fahrertreffen

Es folgten weitere Demos und Fahrertreffen, die Einreichung einer Petition beim EU-Parlament in Straßburg im November 2014 sowie politische Auftritte: Ende 2015 durfte Skoppeck in Berlin vor der SPD-Fraktion sprechen, Anfang 2016 auf einer Konferenz mit Vertretern des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages. Auch Gespräche mit der Gewerkschaft ver.di gab es. Skoppeck stellt fest: „Wir werden inzwischen ernster genommen.“

Die Ursache für Dumpinglöhne sieht er vor allem in der Wettbewerbssituation auf dem offenen europäischen Markt: „Solange es den hohen Konkurrenzdruck unter den Unternehmen gibt, wird es auch Billiglöhne und Leiharbeit geben. Oftmals wird zu knapp kalkuliert, und das geht dann zulasten der Fahrer.“

Mit „Keep Distance“ ist der Verein auch in der Unfallprävention aktiv und erinnert daran, den Sicherheitsabstand zu Lkw einzuhalten.

Fahrern Gehör verschaffen

Seine Motivation für das Engagement zieht Skoppeck vor allem aus einer persönlichen Niederlage: Nach 16 Jahren Selbstständigkeit musste er seine eigene Spedition aufgeben. „Bei einem meiner letzten Transporte von London nach Brüssel hat mich schon die Fähre 220 Euro gekostet, dazu kamen Maut, Benzin und Lohn. Der Auftraggeber hat mir 250 Euro dafür bezahlt – das hat also nicht mal meine Kosten abgedeckt. Das Maß war voll.“ Er gab auf, bevor die Insolvenz drohte: „Ich habe mir gesagt, wenn ich es auf der Arbeitgeberseite nicht schaffe, dann muss ich es von der anderen Seite her anpacken und den Fahrern Gehör verschaffen.“

Das soll vor allem über öffentliche Aktionen gelingen: Die „Allianz im deutschen Transportwesen“ ist unter anderem auf Messen und Trucker-Treffen wie in Geiselwind und am Nürburgring präsent. Aus der niederländischen „Actie in de Transport“ gingen ähnliche Gruppen in insgesamt elf europäischen Ländern hervor; mittlerweile ist nur noch die deutsche „Allianz im deutschen Transportwesen“ aktiv. Heute agieren unter dem Dach des deutschen Vereins vier Aktionsgruppen: „AidT e.V. klärt auf“ will das Image des Fahrerberufs aufwerten, „AidT e.V. hilft“ setzt sich für gemeinnützige Zwecke ein und „Fair KEP“ für die Belange der Kurier-, Express- und Paketdienstleister.

Mit „Keep Distance“ ist der Verein auch in der Unfallprävention aktiv und erinnert Lkw-  sowie Pkw-Fahrer daran, den gebotenen Sicherheitsabstand zu Lkw einzuhalten. Zudem setzt sich die Allianz für Aufklärung und Prävention beim Thema „Toter Winkel“ ein und lässt in Gemeinden an Kreuzungen Verkehrsspiegel aufhängen. „Sie verbessern die Sicht und erhöhen die Sicherheit“, erklärt Udo Skoppeck. „Außerdem hat so ein Spiegel den psychologischen Effekt, dass alle Verkehrsteilnehmer auf das Gefahrenpotential der jeweiligen Kreuzung aufmerksam gemacht werden. Und letztlich kommen wir im Alltag auf der Straße so am besten voran: Wenn wir alle mitdenken, achtsam sind und gegenseitig Rücksicht nehmen.“

2 Kommentare

  1. Ich bin 61 Jahre alt und arbeite jeden Tag 14 bis 15 Stunden wie kann mir da geholfen werden. Ich habe auch schon des öfteren Sekundenschlaf bekommen.
    MfG Rolf

    Antworten
    • Hi Rolf! Das klingt gar nicht gut… und ist nicht nur gefährlich, sondern auch nicht gesetzeskonform. Wenn du Hilfe vom oben genannten Verein benötigst, wende dich doch an https://www.aidt-ev.org/ – wir drücken dir die Daumen, dass dein Arbeitsalltag bald wieder besser ist. Allzeit gute Fahrt – dein Team vom BPW motionist.

      Antworten

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