Eine Frau kämpft für mehr Lkw-Parkplätze

Lesezeit: ca. 3 Minuten 
Text: Juliane Gringer 
Fotos: Anna Kuzynin, Truckers Life Stiftung, KRAVAG Truck Parking

Anna Kuzynin schaut nicht weg, sondern packt Missstände in der Transportbranche an – im Beruf und ehrenamtlich. Da der Parkplatzmangel Lkw-Fahrerinnen und -Fahrern die Arbeit besonders schwer macht, setzt sie sich jetzt als Key Account Managerin bei KRAVAG Truck Parking für mehr Lkw-Stellplätze ein.

Zu wenige Parkplätze für Lkw? Anna Kuzynin hatte dieses Problem in ihrer polnischen Heimat jahrelang täglich vor Augen: „Von dem Dorf bei Breslau, in dem ich wohnte, waren es nur sieben Kilometer bis zu einem Autobahnknoten mit mehreren Raststätten. Wenn ich zur Arbeit fuhr, habe ich sie auf diesem Weg immer gesehen: die Lkw, die rechts und links an der Zubringerstraße wild parkten. Wer zu Hause die einzige Person ist, die Geld verdient, kann dieses Geld nicht für eine Übernachtung in der Pension oder für Essen am Autohof ausgeben. Da parkt man lieber wild und kocht sich selbst was.“ Dieses Bild tat ihr geradezu weh. „Der Job des Berufskraftfahrers ist so wichtig – und dann haben diese Menschen nicht mal einen warmen, sauberen Ort für eine ruhige Pause“, sagt Kuzynin. „Mir war schon lange klar, dass ich an dieser Situation etwas ändern will.“

Kleine Zeichen der Wertschätzung und Menschlichkeit

Der erste Schritt bestand für sie darin, dass sie nicht einfach vorbeifuhr. Regelmäßig stieg sie aus, brachte den Fahrerinnen und Fahrern Kaffee und kam mit ihnen ins Gespräch. Auch für die KEP-Kolleginnen und -Kollegen, die ihr Pakete nach Hause bringen, hält sie immer einen Snack und einen Zettel bereit, auf dem schlicht „Danke für Ihre Arbeit!“ steht. Kleine Zeichen der Wertschätzung und Menschlichkeit. Die 49-Jährige machte das Thema schließlich sogar zu ihrem Beruf: Seit Dezember 2022 engagiert sie sich als Key Account Managerin bei KRAVAG Truck Parking dafür, dass neue Parkplätze geschaffen werden.

»Der Job des Berufskraftfahrers ist so wichtig – und dann haben diese Menschen nicht mal einen warmen, sauberen Ort für eine ruhige Pause.«

Anna Kuzynin, Key Account Managerin KRAVAG Truck Parking

Die Initiative der KRAVAG-Versicherung ermöglicht „Lkw-Parkplatz-Sharing“: Speditionen können freie Parkflächen auf ihrem Betriebsgelände anbieten, die das Fahrpersonal oder die Disposition bequem per App bucht. „Man kann nicht von heute auf morgen die 40.000 Parkplätze herzaubern, die in Deutschland fehlen. Aber auch kleine Schritte sind enorm wichtig“, so Kuzynin. Zum Start setzt sie vor allem darauf, Kontakte zu knüpfen: „In den ersten Wochen im neuen Job habe ich Hunderte Telefonate und persönliche Gespräche geführt.“ Unter anderem vernetzte sie sich mit Christina von Haugwitz vom Verein PROFI – Pro Fahrer-Image: „Ich denke, wir werden in diesem Jahr noch sehr viel zusammen schaffen.“

Engagement für Gesundheit und Wohlbefinden

Beruflich hat sich Anna Kuzynin schon lange der Transportbranche verschrieben: Zuletzt leitete sie den Vertrieb der Frachtenbörse Trans.eu. Trans.eu führt mit „Truckers Life“ eine Stiftung, die polnische und europäische Straßen sicherer machen soll, indem sie Gesundheit und Wohlbefinden der Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer verbessert. „Als dort eine Stelle frei wurde, habe ich mich direkt beworben“, erzählt Kuzynin. Sie begleitete mit „Truckers Gym“ den Aufbau von Fitnessanlagen an Rasthöfen. Dabei werden Sportgeräte installiert, mit denen die Fahrerinnen und Fahrer ihre Pausen aktiv gestalten und in Bewegung kommen können. Die Übungen stärken nicht nur die Muskeln, sondern entspannen auch, verbessern die Konzentrationsfähigkeit und beugen Müdigkeit vor.

»Jeder zusätzliche Parkplatz, den wir organisieren können, zählt. Ich habe das Gefühl, ich tue damit etwas Gutes und kann die Transportwelt ein bisschen verändern.«

Anna Kuzynin, Key Account Managerin KRAVAG Truck Parking

Jeder Parkplatz mehr zählt

Das Thema Parkplatzmangel begegnete ihr in so gut wie jedem Gespräch, das sie beruflich führte. Daher nutzt Anna Kuzynin nun die Chance, mit KRAVAG Truck Parking dagegen anzugehen. Für den Job zog sie sogar aus Polen nach Deutschland. „Die Aufgabe hat mich wahnsinnig gereizt“, sagt sie. „Und ich habe mir gedacht: Ich bin bald 50, entweder mache ich das jetzt oder nie. Jeder zusätzliche Parkplatz, den wir organisieren können, zählt. Es gibt so viele Speditionen in Deutschland, die Flächen bereitstellen können. Man muss sie nur dafür begeistern und zum Helfen motivieren. Mindestens so wichtig wie Parkplätze sind sanitäre Anlagen in gepflegtem Zustand sehr wichtig: Hier muss mehr getan werden!“

Sehr engagierte Berufsgruppe

Wenn Not am Mann ist, packt Anna Kuzynin immer mit an: Als zu Beginn der Pandemie viele sanitäre Anlagen an Autobahnen geschlossen wurden, sammelte sie mit Kolleginnen und Kollegen Spenden, packte Pakete mit Masken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln und verteilte sie an Trucker. „Ich werde nie vergessen, wie einige von ihnen Tränen in den Augen hatten, weil sie so gerührt davon waren, dass ihnen jemand hilft und sie nicht im Stich gelassen wurden.“ Zudem erlebt sie auch die Berufskraftfahrerinnen und -fahrer selbst als äußerst engagiert: „Ich kenne keine andere Berufsgruppe, die so tolle Initiativen hervorbringt.“ Ein Projekt der Stiftung Truckers Life namens „Truckers for Others“ setzt sich beispielsweise für in Not geratene Kolleginnen und Kollegen ein, für krebskranke Kinder oder Familien, die Unterstützung brauchen. Kuzynin denkt auch an die „polnischen Nikoläuse“, das sind Lkw-Fahrerinnen und Fahrer, die Kinderheime renovieren. „Ich betone dieses Engagement so, weil die Vorurteile gegenüber den Fahrerinnen und Fahrern oft im Vordergrund stehen – man wirft ihnen vor, zu schnell zu fahren, Unfälle zu verursachen oder ihre Fahrzeuge unpassend zu parken. Mir ist wichtig, dass stärker gesehen wird, was sie mit ihrem Job, aber auch auf menschlicher Ebene für die Gesellschaft tun.“

»Wenn wir mehr Frauen in den Beruf holen wollen, ist eine gute Infrastruktur besonders wichtig, unter anderem was die persönliche Hygiene betrifft. Es muss für sie absolut sicher sein, unterwegs Rast zu machen und zu übernachten.«

Anna Kuzynin, Key Account Managerin KRAVAG Truck Parking

Für eine Youtube-Reportage hat Anna Kuzynin vor einigen Jahren Lkw-Fahrerinnen bei der Arbeit begleitet. „Da der Job körperlich sehr anstrengend sein kann und man viel von zu Hause weg ist, ergreifen ihn nur wenige Frauen – aber die machen ihn dann wirklich mit großer Leidenschaft“, erzählt sie. „Wenn wir mehr Frauen in den Beruf holen wollen, ist eine gute Infrastruktur besonders wichtig, unter anderem was die persönliche Hygiene betrifft. Es muss für sie absolut sicher sein, unterwegs Rast zu machen und zu übernachten. Und der Umgang sowie die Belastung an den Rampen müssen sich verbessern: Es kann nicht sein, dass die Fahrerinnen und Fahrer da noch selbst die Ware mit dem Stapler rausziehen müssen.“

Umdenken erwünscht

Für Anna Kuzynin ist klar, dass man die Herausforderungen der Branche nicht allein lösen kann, sondern nur im Team. „Wir müssen uns alle an einen Tisch setzen, egal aus welchem Land oder Bereich wir kommen, welche App wir entwickelt haben oder welche Unterstützung wir anbieten können. Das entfacht eine Energie, die viel bewirken kann.“ Was gut funktioniert, darüber solle man reden: „Wir lernen von Vorbildern – wenn jemand sagt ‚Das habe ich ausprobiert und kann es empfehlen!‘, dann findet es Nachahmerinnen und Nachahmer.“ Und von der Bevölkerung wünscht sie sich ein Umdenken: „Man muss nicht alles im Internet bestellen, sondern kann für ein Buch auch mal selbst zu Fuß zur Buchhandlung gehen. Oder Lebensmittel auf dem Markt einkaufen. Uns muss bewusster werden, dass alles, was wir verbrauchen, angeliefert werden muss. Und dahinter stehen Menschen.“
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