Modellstadt für Elektromobilität

Lesezeit ca. 4 Minuten
Text: Axel Granzow
Fotos: colognE-mobil

Wie lässt sich Elektromobilität in ein Ballungsgebiet wie Köln integrieren, und wie behauptet sich die Technik im Alltag? Auf diese und andere Fragen hat das Modellprojekt „colognE-mobil“, einer der größten Feldtests mit Elektrofahrzeugen, Antworten gefunden.

In Sachen Elektromobilität fährt Köln ganz vorne mit. Mehr als 1.200 E-Fahrzeuge und damit gut ein Viertel aller Elektroautos aus Nordrhein-Westfalen sind in der Stadt gemeldet. Das ist auch „colognE-mobil“ zu verdanken, einer Feldstudie zum Einsatz und zur Nutzung von E-Fahrzeugen. Im Rahmen des Praxistests konnte nachgewiesen werden, wie gut sich E-Fahrzeuge schon heute im Alltag bewähren. Alle wesentlichen praktischen Fragen wurden untersucht, von der Ladeinfrastruktur bis zur Sicherheit im Taxibetrieb, im Carsharing und auf dem Flughafen-Vorfeld.

Elektrofahrzeuge helfen, den Verkehrslärm zu reduzieren und das Klima zu schonen. Im Kölner Ballungsraum mit seiner hohen Feinstaub- und Stickoxidbelastung ist das ein entscheidender Vorteil. Und die zuletzt aufgeflammte Diskussion um die Einführung einer blauen Plakette könnte weitere Dynamik in die Entwicklung der Elektromobilität bringen. 13 Partner haben sich für den Test in der Rheinmetropole, der vom Bundesverkehrsministerium mit 7,5 Millionen Euro gefördert wird, zusammengetan. „Sie haben gezeigt, dass Elektromobilität in einem Ballungsraum wie Köln akzeptiert wird, dass sie alltagstauglich und deutlich umweltfreundlicher ist als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor“, sagt Michael Groschek, der Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen.

Städtische Unternehmer als Vorreiter

Die IHK Köln begleitete das Projekt. Michael Pfeiffer, Vizepräsident der IHK Köln und persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter von BPW, sagt: „Die Kölner Wirtschaft ist generell offen für den Ausbau der Elektromobilität. Die Kommune sollte jetzt weitere Anreize schaffen, um die Nutzung zu fördern, indem sie zum Beispiel mehr Ladestellen schafft oder Carsharing-Angebote ausweitet.“ BPW setzt sich selbst intensiv mit Elektromobilität auseinander: Nicht nur in Wiehl fahren im internen Werksverkehr elektrisch angetriebene Fahrzeuge, sondern auch in Ungarn und der Schweiz bei den Tochtergesellschaften BPW-Hungária und Fahrzeugbedarf AG. Vor allem bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte bezieht BPW das Thema konsequent ein und will es in der Branche vorantreiben. So stellt BPW als eines der Messehighlights auf der IAA erstmals die elektrisch angetriebene Achse eTransport für Verteilerfahrzeuge vor.

Laut dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, Ulrich Soénius, sind E-Flotten im Werksverkehr eine echte Alternative, genau wie für Paket- und Postdienste. Gerade die städtischen Unternehmen könnten hier Vorreiter sein. Seit Kurzem setzen die Kölner Verkehrsbetriebe beispielsweise Gelenkbusse ein, die elektrisch angetrieben werden.

Für das Projekt „colognE-mobil“ wurden mehr als 120 Ladestationen, „TankE“ genannt, und über 200 Ladepunkte an 80 Standorten eingerichtet. Rund 1.300 Ladevorgänge wurden jeden Monat gezählt. Das Kölner Energieversorgungsunternehmen Rheinenergie investierte insgesamt 2,4 Millionen Euro in den Ausbau dieser Ladeinfrastruktur, die gleiche Summe steuerte noch einmal der Bund bei.

Köln bereit für mehr Elektromobilität

Der Umweltaspekt ist für Rheinenergie relevant, aber die Lade­infrastruktur – nicht nur für Pkw, sondern auch für Busse, Schiffe und Pedelecs – ist ein ebenso wichtiges Geschäftsfeld. Auf dem Erfolg von „colognE-mobil“ möchte man aufbauen: „Unsere Partner und wir sind bereit für mehr Elektromobilität in Köln“, sagt Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der Rheinenergie. Das Unternehmen will die Zahl der Ladestationen in den kommenden zwei Jahren auf mehr als 200 ausbauen. Auch der Kölner Stadtrat zieht mit: Auf Antrag der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, CDU und FDP sollen es bis 2020 sogar mehr als 400 werden.

Die elektrifizierte Testflotte von „colognE-mobil“ bestand aus 56 Fahrzeugen, davon 34 Elektroautos und 22 Plug-in-Hybride. Neben der Wirtschaftlichkeit wurden in der Studie die Geräuschentwicklung, Umweltauswirkungen sowie eine Vielzahl technischer Aspekte analysiert. Ein weiterer Schwerpunkt war der Vergleich des Nutzungsverhaltens der beiden Fahrzeugtypen.

Strom statt Sprit: Im Rahmen des Großprojekts „colognE-mobil – Elektromobilitätslösungen für NRW“ hat der Flughafen Köln/Bonn in seinem Fuhrpark herkömmliche benzinbetriebene Autos gegen batteriebetriebene Elektrofahrzeuge ausgetauscht.

Reichweiten genügen völlig

Ein häufiges Argument gegen Elektroautos ist deren geringe Reichweite. Im Verlauf des Projekts stellte sich aber heraus, dass 90 Prozent aller Fahrten die Distanz von 22 Kilometern nicht überschritten und die Reichweite der Fahrzeuge den Alltagsanforderungen somit mehr als gerecht wurde. Allerdings fallen große Unterschiede zwischen E-Autos und Hybridfahrzeugen auf: Während Erstere auf 15 Kilometer kamen, absolvierten die Hybridmodelle durchschnittlich 38 Kilometer. Hier waren die Nutzer der reinen E-Fahrzeuge anfangs unsicher, ob die Reichweite eingehalten oder Ladestationen schnell erreichbar sein würden. Im Lauf des Projekts gewöhnten sie sich jedoch zunehmend an den Charakter der alternativen Antriebe. Während zu Beginn der Testphase nur 19 (E-Auto) bzw. 71 Kilometer (Hybride) gefahren wurden, ohne nachzuladen, stieg der Radius mit zunehmender Gewöhnung auf 28 beziehungsweise 74 Kilometer.

„Das Kölner Projekt hat den Beweis dafür geliefert, dass Elektrofahrzeuge hervorragend zum urbanen Verkehr einer Großstadt wie Köln passen“, meint dann auch Jörg Beyer, Geschäftsführer Produktentwicklung der Ford-Werke. Die elektrifizierten Fahrzeuge bewährten sich vom gewerblichen oder kommunalen Gebrauch als Poolcar bis hin zum Einsatz als Taxi oder Carsharing-Fahrzeug oder auch als umweltschonendes Fahrzeug für Berufspendler.

Dauereinsatz am Flughafen

Auch für den Dauereinsatz am Flughafen sind Elektroautos gut geeignet: Der Airport Köln/Bonn hatte im Rahmen des Modellprojekts acht Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb angeschafft. Für den Einsatz der E-Dienstwagen wurden auf dem Flughafen zehn Ladestationen installiert, und 23 Mitarbeiter wurden für den Umgang mit den Autos sowie die Wartung ausgebildet. Die E-Autos legten am Airport rund 90.000 Kilometer zurück. Fazit: Der Flughafen will künftig E-Autos in seinen Fuhrpark aufnehmen.

Der Taxi-Ruf Köln nutzte zwar nur ein E-Auto im Projekt, führte damit aber 5.800 Fahrten durch. Die Resonanz von Fahrern wie Kunden war positiv. Allerdings steht die geringe Reichweite einer deutlichen Ausweitung im Taxiverkehr noch im Weg. Bei Carsharern war die Akzeptanz für Elektromobile hoch; die Bereitschaft, dafür mehr zu bezahlen, dagegen jedoch gering. Erschwerend wirkt auch hier die begrenzte Reichweite der E-Autos: Die Kunden müssen beispielsweise vorab ihre Fahrstrecke schätzen. Bei einigen Anbietern können E-Autos nicht für mehr als 60 Kilometer und 72 Stunden gebucht werden.

Ob und wann sich die Investition in Elektromobile grundsätzlich rechnet, lässt sich mithilfe von Computermodellen ermitteln, die IT-Spezialisten von der Universität Duisburg-Essen (UDE) entwickelt haben. Die UDE stellt außerdem eine App bereit, die Nutzern eine optimierte Fahrweise näherbringt.

Projekt colognE-mobil

Laufzeit

Phase I: 1. Juli 2009 – 30. Juni 2011
Phase II: 1. Juli 2012 – 31. Dezember 2015

Projektpartner

Ford-Werke GmbH

Konsortialführer, stellt die Testfahrzeuge

Rheinenergie AG

Ausbau der Ladeinfrastruktur

Stadt Köln

Organisation und Recht

Universität Duisburg-Essen

wissenschaftliche Begleitung

TRC Transportation Research & Consulting GmbH

Informationsdienste

SPI Energiebau Renewables GmbH

Solar-Carports und Stromspeicher

Kölner Verkehrs-Betriebe AG

Ausbau vernetzte Mobilität

Regionalverkehr Köln GmbH & Flughafen Köln/Bonn GmbH

Fahrzeug-erprobung und Laden

DB Rent GmbH

Flinkster E-Carsharing

Taxi-Ruf Köln eG

Fahrzeugerprobung

TÜV Rheinland AG

Fahrzeugzulassung und -sicherheit

Auto-Strunk GmbH

Service- und Wartungsarbeiten

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