Industrie 4.0: Von der Vision in die Praxis

Lesezeit ca. 3 Minuten
Text: Juliane Gringer
Fotos: BPW

Mit der Wheelend- und Achsmontage hat BPW am Standort Wiehl ein Großprojekt umgesetzt, das digital komplett vernetzt wurde. Die Abteilung IT Fertigung & Intralogistik stellte sich dieser Herausforderung.

Nicht nur für die Kunden der BPW Gruppe ist Industrie 4.0 ein sehr wichtiges Thema, sondern auch für das Unternehmen selbst: „Wir digitalisieren alle Prozesse in Qualitätssicherung, Instandhaltung, Produktion und Logistik“, erklärt Alexander Reissner, Leiter der IT Fertigung & Intralogistik. „Es gibt schon heute quasi kein Regal mehr, das nicht an die IT angebunden ist.“ Bei der Umsetzung von Industrie 4.0 im Unternehmen sieht Reissner mehrere Schwerpunkte: „Wir beschäftigen uns unter anderem mit der Erfassung und Verarbeitung der Daten. Wir fragen, wie Assistenzsysteme unsere Beschäftigten bei ihrer Arbeit unterstützen können, und schauen auf Möglichkeiten, verschiedene Abteilungen zu vernetzen und zu integrieren.“ So bekommt beispielsweise jedes Bauteil eine Identifikationsnummer, über die sich 30 Jahre lang nachvollziehen lässt, wann und wie es montiert wurde – ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung.

Hochmodern und stark automatisiert

Eines der umfangreichsten Projekte für die IT-Abteilung war die Ablösung einer 18 Jahre alten Montageanlage. Statt an vorher zwei Standorten wird die Wheelend- und Achsmontage seit 2017 in einer Halle umgesetzt – hochmodern und stark automatisiert. Nach dem Prinzip „One-Piece-Flow“ wird dort jedes Modul individuell gefertigt und hat bereits beim Start in der Produktionsplanung Kundenbezug. Über die mehrstufige Fertigung, Lackierung und Montage bis zur Verpackung und Verladung ist also immer klar, für welchen Besteller ein bestimmtes Produkt gedacht ist. Die größte Herausforderung bei der Umstellung dieser Montage lag laut Reissner in der hohen Varianz der Module mit unterschiedlichen Taktzeiten: „Wir sind heute komplett kundenorientiert. Indem der Kunde eine individuelle Verpackungseinheit bestellt, gibt er die Produktionsreihenfolge vor. Zusätzlich müssen wir über die gesamte Produktionskette sicherstellen, dass trotz unterschiedlichster Taktzeiten der Einzelbereiche die ganze Fertigung im Zusammenspiel optimal ausgelastet ist.“

Bei einem Rundgang durch die Montagehalle fallen nicht nur die hochmodernen Roboter auf, die vollautomatisch und in hohem Tempo Radbolzen in die Bremsscheiben einpressen, sondern auch Montageterminals, Scanner und Großbildanzeigen an den Maschinen. Diese Geräte können die Mitarbeiter nutzen, um alle Kennzahlen sowie Informationen zum Fertigungsprozess in Echtzeit abzurufen – über ein System, das alle Schritte der Produktion digital abbildet.

Alexander Reissner, Leiter der IT Fertigung & Intralogistik bei BPW

Von Menschen gesteuert

Alexander Reissner und sein Team betreuen bei BPW alle Produktionssysteme, die an die IT angeschlossen sind, und fungieren damit als Bindeglied zwischen den Abteilungen. „Wir arbeiten mit vielen Partnern – vom Schraubenlieferanten über den Maschinenbauer bis zum SAP-Spezialisten“, so Reissner. „Das sind sehr unterschiedliche Welten, da ist ein gemeinsames Verständnis der Prozesse unerlässlich.“ Dazu brauche es eine gute Kommunikation: „Wir holen alle an einen Tisch und sprechen miteinander, um die system- und bereichsübergreifenden Prozesse gemeinsam zu entwickeln und in speziellen Prozessdarstellungen für alle gleichermaßen verständlich darzustellen. Beim Thema Digitalisierung dürfen wir nie vergessen, dass sie von Menschen gesteuert wird und diese sich immer untereinander abstimmen müssen.“

Berufsbilder in der IT verändern sich

Das alles erfordere auch eine neue Generation von IT-Experten: „Das Berufsbild verändert sich stark“, ist Reissner überzeugt. „Wir brauchen zunehmend Nachwuchs, der ganz neue Denkweisen pflegt, ein gutes Gesamtverständnis hat und gleichzeitig spezialisiert ist, der viel rausgeht und mit allen Beteiligten spricht. Diese Kompetenzen gilt es den kommenden Azubi-Generationen intensiv zu vermitteln. Nur so können wir dem Fachkräftemangel in diesem Zukunftsbereich wirksam begegnen.“

Die Montageanlage läuft erfolgreich. Abgeschlossen ist die Arbeit am „Projekt 4.0“ für das IT-Team jedoch nicht. „Wir sind auf dem Weg. Es gibt keinen Anfang und kein Ende dieser Entwicklung“, erklärt Alexander Reissner. Für ihn gehört auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen zu diesem Prozess: In Kooperation mit der IHK Köln war BPW im Frühjahr 2017 Gastgeber der Veranstaltung „Industrie 4.0 – Erfahrungsaustausch“. Vertreter aus sechs großen Unternehmen der Region besuchten die Montageanlagen in Wiehl. „Wir haben von den Teilnehmern viel positives Feedback erhalten. Sie waren beeindruckt davon, wie wir die Digitalisierung der Prozesse umgesetzt und Maßnahmen aus dem Industrie-4.0-Baukasten genutzt haben“, so Reissner. „Der Austausch mit den Kollegen war spannend und nützlich, wir werden ihn weiterführen.“

Digitale Landkarte

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat zudem eine digitale Landkarte erstellt, die zeigt, wo in Deutschland Industrie 4.0 schon gelebt wird. BPW ist als eines von deutschlandweit rund 180 Beispielen der produzierenden Industrie vertreten. „Darauf bin ich sehr stolz, denn es bedeutet, dass wir Vorreiter sind“, sagt Alexander Reissner. Er freut sich auch darüber, dass BPW in die modernen Produktionsanlagen für Wiehl investiert hat. „Das zeigt mir als Mitarbeiter, dass dieser Standort für das Unternehmen wichtig ist und zukunftsfähig bleibt.“

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