„Das ist pure Effizienz“

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Text: Juliane Gringer
Fotos: Rüdinger

30 Prozent Kraftstoff und Kosten sparen, die Umwelt schonen, ebenso den Straßenbelag – und vor allem 50 Prozent mehr aufladen als bei einem Standard-Sattel: Die Rüdinger Spedition hat das Potenzial des Lang-Lkw schon lange für sich erkannt und bringt ihn so oft wie möglich auf die Straße.

Roland Rüdinger zeigt aus seinem Bürofenster auf den Hof seines Unternehmens und fragt: „Können Sie mir sagen, welcher dieser Auflieger 13,60 Meter lang ist und welcher 15 Meter? Ich denke, man sieht den Unterschied nicht. Ich selbst erkenne ihn auch nur an bestimmten Baumerkmalen, bei denen ich weiß, dass wir die kombiniert haben.“ Der Unternehmer, Inhaber der Rüdinger Spedition aus dem baden-württembergischen Krautheim, hat ein Ziel: Er will Ladeflächen optimieren. „Je mehr ein Fahrer mitnehmen kann, desto günstiger wird der Transport für unsere Kunden“, erklärt er. Der Transportalltag ist eben oft nicht standardisiert – und wann immer Waren die üblichen Maße eines Aufliegers übersteigen, braucht man individuelle Lösungen.

Firmenchef entwickelt breiteren Planentieflader

Rüdinger hat sich genau auf solche Fälle spezialisiert: Überbreite Transporte, die Beförderung von XXL-Stückgut sowie Sammelgut im Hub-Verkehr und übergroße Transporte unter Plane gehören zum täglichen Geschäft des Unternehmens. Roland Rüdinger hat deshalb zum Beispiel einen Planentieflader entwickelt, der überhohe oder überbreite Maschinen oder Anlagen aufnehmen kann. „Das Heck dieses Fahrzeugs ist zum Laden verbreiterbar“, erklärt er. „Dafür sind wir überregional bekannt.“

Langsattel hat so gut wie nur Vorteile

Ein optimaler Partner für die Auslastung der Ladefläche ist auch der Lang-Lkw – die Spedition engagiert sich deshalb schon seit Langem fü seinen Einsatz. „Ich beschäftige mich seit ungefähr zwei Jahrzehnten mit dem Thema“, so Roland Rüdinger. Seit 14 Jahren nimmt sein Unternehmen am Großversuch des Herstellers Kögel teil. Die Spedition betreibt selbst Lang-Lkw des Typs 1 mit einer Gesamtlänge von 17,88 Metern, des Typs 3, der bis zu 25,25 Meter lang ist, und des Typs 5 mit 24 Metern. Vor allem Typ 1 bewährt sich im Alltag: „Dieser Langsattel hat so gut wie nur Vorteile“, sagt Roland Rüdinger. „Wir sparen Kraftstoff und schonen die Straßenbeläge, weil bei gleichem Frachtvolumen weniger Lkw pro Kilometer Straße gefahren werden. Bei gleichen Kosten für den Fahrer stehen mir zehn Prozent mehr Ladefläche zur Verfügung und die Kosten sowie der Treibstoffverbrauch werden um zehn Prozent reduziert. Das ist pure Effizienz.“ Bei ihm im Unternehmen verdrängt dieser 15-Meter-Sattel jetzt die Hängerzüge, denn er bietet fast das gleiche Volumen zu niedrigeren Produktionskosten, erklärt Rüdinger. „Und angesichts der derzeitigen Konjunkturlage wird doch jeder Meter gebraucht.“

»Wer CO2 sparen will, der müsste den Lang-Lkw eigentlich fordern und fördern.«

Roland Rüdinger, Geschäftsführer der Rüdinger Spedition

50 Prozent mehr aufladen als auf einen Standard-Sattel

Auf einen Lang-Lkw des Typs 3 oder 5 könne er 50 Prozent mehr aufladen als auf einen Standard-Sattel: „Das ist eine Hausnummer! Und wenn ich Typ 1, den Langsattel, mit einem Jumbo-Hängerzug vergleiche, verbraucht Ersterer drei Liter Diesel weniger auf 100 Kilometer. Die betriebswirtschaftliche Kostenreduzierung und die Verbesserung der CO2-Bilanz verlaufen hier parallel. Es gibt also wenige rationale Gründe, die gegen den Lang-Lkw sprechen.“ Einer der wenigen Nachteile des Fahrzeugs sei, dass viele Verlader noch nicht auf die zusätzlichen Kapazitäten eingestellt seien. „Wenn man den Markt verändert, hat man das Problem, dass viele Akteure mit alten Daten arbeiten“, erläutert Rüdinger. Wo in den Systemen für einen Lkw 33 Paletten als Standard eingetragen sind, werden die vier zusätzlichen Stellplätze, die der Lang-Lkw des Typs 1 bietet, nicht erfasst. Typ 3 und Typ 5 dürfen zudem nur im Positivnetz eingesetzt werden – „und das Positivnetz ist klein“. Die verbliebene Skepsis dem Lang-Lkw gegenüber sei rein politischer Natur und nicht technologisch begründbar, erklärt der Unternehmer: „Und wer CO2 sparen will, der müsste den Lang-Lkw eigentlich fordern und fördern.“

Positivnetz ausbauen und an Industriegebiete anbinden

Rüdinger wünscht sich von der Politik, dass sie das Positivnetz auf alle Bundesstraßen und Autobahnen ausweitet und an Industriegebiete anbindet. „Denn da, wo viel Ware zu bewegen ist, sollte man ein effizientes Gerät einsetzen.“ Außerdem fordert er die Freigabe des Langsattels für Gefahrgut: „Auf einem 18.75 Meter langen Hängerzug darf ich Gefahrgut fahren, auf einem Langsattel mit 17,90 Meter Gesamtzuglänge aber nicht – das ergibt keinen Sinn. Für die Hub-Verkehre der Sammelgutspediteure wäre es segensreich, wenn man das ändert – sie könnten zehn Prozent der Transporte sparen.“
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