Trusted Carrier – der digitale Türöffner

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Text: Joachim Geiger
Fotos: BGL, Shutterstock, BASF, Henkel

Digitale Lösungen können die Abfertigung an der Schranke enorm beschleunigen. Aber wie kann ein Verlader sicher sein, dass ein Transportunternehmen die Voraussetzungen für die Einfahrt erfüllt? Der Schlüssel ist eine sorgfältige Prüfung aller Dokumente und Zertifikate. Wir haben uns die Lösung von Trusted Carrier für die Chemiebranche genauer angesehen.

Logistische Prozesse müssen einfacher, schneller und effizienter werden. Das ist fast immer die entscheidende Motivation, wenn es darum geht, das Zusammenspiel von Verladern und Transportunternehmen auf eine breitere digitale Grundlage zu stellen. Deshalb setzt jetzt der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) seine geballte Netzwerk-Power ein, um den Turbo für die nächste Stufe der digitalen Interaktion zwischen den Akteuren der Lieferkette zu zünden. „Trusted Carrier GmbH & Co. KG“ nennt sich das im Mai 2021 gegründete Unternehmen, das sich die Entwicklung, Implementierung und Vermarktung von digitalen Dienstleistungen zur Unterstützung logistischer Prozesse auf die Fahne geschrieben hat. „Im Fokus steht derzeit die Vereinfachung der Transportabfertigung im Straßengüterverkehr. Wir setzen auf eine IT-Lösung, die den Registrierungsprozess digitalisiert und dadurch eine schnellere Lkw-Abfertigung an den Be- und Entladestellen ermöglichen soll“, erklärt Andreas Schmidt, zuständig für die Mitgliederbetreuung beim BGL und in Doppelfunktion auch Geschäftsführer von Trusted Carrier.

Schlanke und effiziente Anmeldung an der Schranke

Die brandneue IT-Lösung verspricht Verladern und Transportdienstleistern handfeste Vorteile. Beide sind darauf angewiesen, dass sie die fachlichen und rechtlichen Auflagen für einen Transportauftrag stets erfüllen. Bei einer Schrankenabfertigung, wie sie zum Beispiel in der Chemiebranche gang und gäbe ist, sind jede Menge Dokumente und Zertifikate zu Transportunternehmen, Fahrer und Fahrzeug vorzulegen und zu prüfen, um Qualifikation und Equipment nachzuweisen. Trusted Carrier will mit diesem langwierigen und umständlichen Anmeldeprozess Schluss machen. Schon der Einstieg in die Nutzung des Systems ist denkbar einfach. Zunächst legt ein Transportunternehmen ein elektronisches Profil auf der IT-Plattform von Trusted Carrier an. Dazu gibt es drei Module – eins ist dem Unternehmen zugeordnet, eins dem Fahrer und eins dem Fahrzeug. Für jedes Modul laden die Anwender die Stammdaten sowie die entsprechenden Belege und Unterlagen hoch.

Adaptionen für Stahl-, Mineralöl- und Lebensmittelbranche geplant

Im nächsten Schritt nimmt Trusted Carrier die Daten, Dokumente und Zertifikate des Logistikers genau unter die Lupe. Hat alles seine Ordnung, bestätigen die Prüfer die Vertrauenswürdigkeit des vorgelegten Materials. Anschließend legen sie eine Gültigkeitsdauer für die Daten fest. Steht einem Unternehmen später ein Termin für die Hauptuntersuchung oder die Führerscheinkontrolle ins Haus, erhält es mit ausreichendem Vorlauf die Nachricht, dass das fragliche Datenfeld zu aktualisieren und gegebenenfalls ein Nachweis vorzulegen ist. Trusted Carrier plant, die Software im Lauf des Jahres auch als spezialisierte IT-Lösung etwa für die Stahl-, die Mineralöl- und die Lebensmittelbranche anzubieten. Dafür sollen dann die einzelnen Module branchenspezifische Adaptionen erhalten. In der aktuellen Version sind die Module allerdings eigens auf die Belange der Chemiebranche zugeschnitten.

„Wir verzeichnen eine Verkürzung der Wartezeiten und eine effizientere Logistik mit schnelleren gesicherten Abläufen – und das bei deutlich weniger Verwaltungsaufwand.“

Andreas Schmidt, Geschäftsführer von Trusted Carrier

Pilotprojekt mit Henkel

Eine perfekte Referenz für Trusted Carrier bietet der Konsumgüterhersteller Henkel, der unter anderem im Geschäftsfeld Wasch- und Reinigungsmittel aktiv ist. In einem gerade gestarteten Pilotprojekt setzt der Düsseldorfer Konzern die IT-Lösung erstmals zusammen mit mehreren Transportunternehmen in der Praxis ein. Rund 140 Fahrer erhalten mit dem innovativen System Zugang auf das Werksgelände. In der ersten Projektphase fällt die Vorerfassung der Fahrer an den Terminals weg: Der Trucker kann seinen Lkw über eine eigene Fahrspur direkt ans Tor steuern. Danach geht er mit seinem Smartphone zum Schalter, wo ein Werksmitarbeiter den zuvor erzeugten QR-Code mit den Fahrerdaten scannt. Die nächste Ausbaustufe von Trusted Carrier für die Chemiebranche sieht eine automatisierte Zufahrt vor. Die relevanten Transportdaten werden dann bereits im Voraus an den Standort eines Verladers gesendet. Der Fahrer braucht sein Fahrzeug nicht mehr zu verlassen und kann direkt zur Ladestelle fahren.
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1 Kommentar

  1. Ein solches System verwendet BASF am Standort Ludwigshafen seit Jahren. Nennt sich „DRIVE“ und funktioniert ähnlich

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