Rasante Partnerschaft

Lesezeit ca. 6 Minuten
Text: Oliver Schönfeld
Fotos: Bjoern Sieling, BPW

Der sonore Sound aus über zwölf Litern Hubraum, ein gewaltiges, von mehr als 1.000 Pferdestärken gespeistes Drehmoment und Duelle Rad an Rad: Der Faszination Truck Racing kann sich kaum jemand entziehen. Die Motorsportler opfern im Kampf um Zehntelsekunden und Pokale sogar ihre Nachtruhe.

Nürburgring im Sommer 2018: Es ist ein heißer Tag, und Zigtausende erwartungsfrohe Fans tummeln sich auf den Tribünen. Sie erwarten gespannt die Läufe zur Truck-Racing-Europameisterschaft. Dass beim britischen T-Sport-Team um den Fahrer Terry Gibbon gerade alle Köpfe rauchen, liegt jedoch nicht an den für die Eifel untypisch hohen Temperaturen, sondern an einem technischen Zwischenfall.

Schon vor einem halben Jahr begann die akribische Planung für diesen Saisonhöhepunkt. Vor Wochen wurden Kisten gepackt und die Trailer mit Ausrüstungsgegenständen und Ersatzteilen bestückt. Vor fünf Tagen trafen die ersten Teammitglieder an der Rennstrecke ein und bauten im Fahrerlager alles auf. Dann der Schreckmoment: Im ersten Zeittraining am Freitag reißt ein Zylinderkopf des großvolumigen Sechszylinders. An eine gute Startposition für das Rennen am nächsten Tag ist nicht mehr zu denken. Noch schlimmer: In diesem Moment ist fraglich, ob Terry Gibbon überhaupt noch antreten kann. Da es sich nicht um ein Standardteil handelt, ist Ersatz so kurzfristig nur im Stammsitz des Rennteams in Großbritannien verfügbar.

100 Kilogramm Ersatzteile im Gepäck

Doch Motorsportler sind immer auch hervorragende Logistiker. Schnell glühen die Drähte zwischen dem Nürburgring und dem Teamsitz in Burscough, das zwischen Liverpool und Manchester liegt. Dort lagern die dringend benötigten Ersatzteile – nur: Wie gelangen die buchstäblich overnight ins Fahrerlager? Die Lösung: Einige Teammitglieder, die in England geblieben sind, packen sechs Zylinderköpfe mit zusammen rund 100 Kilogramm Gewicht ein, buchen einen Flug und heben – nach sehr kritischen Blicken der britischen Zollbeamten – noch am Abend ab. Am Düsseldorfer Flughafen können die Mechaniker schnell einen Mietwagen organisieren, und nach sechseinhalb Stunden Reise kommen sie schließlich um 3:30 Uhr nachts am Nürburgring an.
Dort hat das restliche Team bereits ungeduldig auf die Ersatzteile gewartet und schraubt nun bis zum frühen Morgen an der Maschine. Schlaf? Ausgeschlossen. 7:30 Uhr ist es, als der neu aufgebaute Motor erstmals angeworfen werden kann. Eine echte Punktlandung. „Das war knapp – nur eine halbe Stunde vor dem Warmlauf auf der Rennstrecke. Unseren Jubel konnte man bestimmt quer durch das ganze Fahrerlager hören“, sagt Melanie Derflinger, die bei dem jungen T-Sport-Team für das Marketing verantwortlich ist. Noch aber hält die Spannung an. Läuft der Motor rund oder hat sich in der hektischen Nacht vielleicht eine Unachtsamkeit eingeschlichen? Alle können aufatmen, als der 36-jährige Terry Gibbon das Warm-up ohne jegliche Probleme meistert. Das erste von zwei Rennen des Tages kann wenig später starten – von den Herausforderungen der vergangenen Stunden ist nun nichts mehr zu spüren. Die ganze Konzentration richtet sich auf den anstehenden Wettkampf.

Auf alles vorbereitet

Was wie ein Drehbuch klingt, ist pure Realität und macht zu großen Teilen die Faszination des Motorsports aus. Auch bei bester Vorbereitung und Planung weiß man nie, was auf der Strecke passieren wird. Auf alles eingerichtet sein, in Sekundenschnelle entscheiden und immer weiterarbeiten, um gute Platzierungen einzufahren – das ist es, was den besonderen Reiz der Rennen für Tim Frost ausmacht. Er gründete das Team vor knapp drei Jahren. „Andere Mannschaften sind in der Regel nur in einem Bereich besonders stark – in der Technik oder im Marketing. Wir wollen beide Aspekte des Truck Racing kombinieren“, erläutert Frost im Anschluss an die durchgearbeitete Nacht im Fahrerlager. Nach vielen Jahren in diesem Sport, unter anderem als Chef-Ingenieur, wollte er etwas Eigenes aufbauen. In dem routinierten Fahrer Terry Gibbon fand er einen begeisterten Mitstreiter: „Seine Idee war es auch, uns T-Sport zu nennen, da unsere Vornamen beide mit T beginnen.“

Enge technische Partnerschaft

Vier feste Mitarbeiter bilden die Kernmannschaft von T-Sport. Wenn die Rennsaison läuft, wird sie um viele helfende Hände ergänzt. Das alles ist nur zu meistern, wenn man loyale Unterstützer an seiner Seite weiß. Bei T-Sport Racing etwa engagiert sich der Teilespezialist PE Automotive, eine Tochtergesellschaft von BPW, seit der Teamgründung als offizieller Partner – zu erkennen an Logos und dem charakteristischen Blau des Unternehmens auf dem Renntruck. „Wir sehen uns ganz explizit nicht als rein finanzieller Sponsor, sondern wollen in einer echten Partnerschaft technischen Support geben“, erläutert Geschäftsführer Christian Freitag. Seit vielen Jahren schon liefert PE zahlreiche Komponenten an Truck-Racing-Teams. Für Freitag ist es faszinierend zu sehen, wenn sich seriennahe Teile in harten Duellen auf der Rennstrecke zu bewähren haben. Radmuttern etwa müssen dort so manchem ruppigen Stoß standhalten – und nach dem Passieren der Zielflagge dennoch einfach wieder zu lösen sein.

Die PE-Rennradmutter ist speziell dafür gemacht und hat sich in zahllosen Fights auf der Piste bewährt. Die Innen-Sechskantmutter wird aus einem Teil gefertigt und als Rohling individuell bearbeitet. Diese Mühe zahlt sich aus: „Auf PE-Produkte wie die Radmutter können wir uns jederzeit verlassen, gerade unter den hohen Belastungen auf der Rennstrecke“, erklärt Tim Frost. Ein Paradebeispiel für die enge technische Verbindung zwischen PE und dem Truck-Racing-Sport ist eine extra dafür aus der Serie weiterentwickelte Hochleistungsbremsscheibe: Sie bleibt dank einer besonders effizienten Wasserkühlung selbst bei 600 Grad Celsius im Rennbetrieb jederzeit cool und behält ihre volle Bremsleistung.

Ein Sport zum Anfassen

Motorsport fordert Höchstleistungen von allen Beteiligten, erzählt Melanie Derflinger: „Wir haben teilweise extrem lange Arbeitstage und arbeiten fast immer sieben Tage die Woche. Im Durchschnitt haben wir nur einen Tag im Monat frei. Und trotzdem macht Truck Racing unglaublich viel Spaß!“ Das Schöne an diesem Sport sei vor allem die familiäre Atmosphäre – jeder kennt jeden, alle helfen sich gegenseitig. Auch die Fans sind hautnah dabei: Während sich andere Rennserien rundum abschotten, kommen die Zuschauer hier direkt ins Fahrerlager, erleben die Renntrucks buchstäblich zum Anfassen und können sogar hin und wieder ein Schwätzchen mit den Mechanikern halten.
Teamgründer Tim Frost (rechts) nimmt sich in der Box gerne Zeit, um Fans die komplexe Technik zu erklären.
Zu den „Schraubern“ bei T-Sport gehört übrigens auch Terry Gibbon. Nicht einmal der Fahrer ruht sich zwischen den Rennen aus, sondern macht seinen Truck eigenhändig wieder startklar. Schließlich packt jeder im Team mit an.

Die Nachtschicht und der enthusiastische Einsatz an diesem Wochenende auf dem Nürburgring haben sich mehr als gelohnt. Obwohl die kleine T-Sport-Mannschaft nicht die allerneueste Motorengeneration fahren kann und somit gegenüber den Top-Teams gut 100 PS im Hintertreffen ist, fährt Gibbon beachtliche Resultate nach Hause. Am Sonntag landet er im Grammer Truck Cup sogar auf Platz 3 und kann somit auf dem Siegertreppchen einen Pokal entgegennehmen. Spätestens jetzt steht für das gesamte Team fest: Die schwere Arbeit hat sich bezahlt gemacht – und beim nächsten Rennwochenende treten alle wieder mit 200 Prozent Motivation an.

Happy End nach einem turbulenten Wochenende: Zum Schluss kann die T-Sport-Familie über einen Podestplatz jubeln – und Fahrer Terry Gibbon weiß, dass sich alle Anstrengungen gelohnt haben.

KOMPLEXE DATEN EINFACHER BEHERRSCHEN

„Daten sind die neue Währung des 21. Jahrhunderts.“ Über derartige Aussagen kann Christian Freitag von PE Automotive nur schmunzeln. Denn schon vor über 20 Jahren gründete sein Vater Jürgen Freitag die PE Data GmbH – genau mit dem Ziel, Daten intelligent zu nutzen und das komplexe Datenhandling im Teilehandel zu optimieren. Schließlich ist im Nutzfahrzeugbereich die Vielfalt an Ersatzteilen besonders groß, bei Aufbauten etwa ist fast jede Einheit ein Unikat.

»Mit unseren Lösungen wollen wir diese Komplexität für alle Beteiligten – Handel, Werkstätten und Teilehersteller – einfacher beherrschbar machen und digitalisierte Geschäftsprozesse ermöglichen.“«

Christian Freitag, Geschäftsführer bei PE Automotive

Während in den Anfangsjahren des Unternehmens noch Mikrofiches das bevorzugte Arbeitsmittel waren, verwaltet und pflegt PE Data heute gewaltige Datenbanken mit unzähligen Informationen. „Im Fokus stand für uns schon immer, die Teileidentifikation zu beschleunigen“, berichtet Christian Freitag weiter. Als echter Trendsetter für den Nutzkraftwagen-Markt erweist sich die 2017 vorgestellte Shop-Lösung „Quick.VIN“. Händler können darüber ihre Werkstattkunden auch in der digitalen Welt effizient betreuen – unter eigener Webadresse und in ihrem individuellen Markenlook. Das Attribut „quick“ im Namen des Shop-Systems ist Programm, denn die schnelle und einfache Teileidentifikation bedeutet erheblich mehr Effizienz, und zwar sowohl für die Werkstatt als auch für den Handel. Dazu verknüpft das System gewohnte OE-Suchlogiken sinnvoll mit einer intelligenten Teilesuche. Vereinfacht gesagt, gibt der Nutzer die Informationen ein, die er zum benötigten Ersatzteil kennt. Die intelligente Software erledigt den Rest. Der Roll-out des Shop-Systems ist in vollem Gange, Projekte mit führenden Teilehändlern sind europaweit in Planung oder werden bereits realisiert.

Mit „QR.VIN“ stellt PE bereits die nächste Lösung für digitalisierte Prozesse vor. Die Idee: Ein fahrzeugindividueller QR-Code, der als Sticker auf dem Fahrzeug befestigt wird, führt direkt zum Webshop des Teilehändlers. Beim nächsten Servicetermin genügt ein Scan des Codes per Handy, um die speziell für dieses Fahrzeug geeigneten Teile zu identifizieren und mit wenigen Klicks zu bestellen. Von derart einfachen Prozessen in der komplexen Welt der Ersatzteile für Nutzfahrzeuge hätte der Gründer von PE Data vor 20 Jahren sicher nicht zu träumen gewagt.
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