Parken Lkw bald im Hochregallager?

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Text: Juliane Gringer
Fotos: www.trucktower.de

PODCAST

Im Podcast berichtet Michael Alber, Geschäftsführer der ABONA Deutschland GmbH, von seiner Idee.

35.000 bis 40.000 Lkw-Parkplätze fehlen an deutschen Autobahnen, meldet der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung. Was kann da helfen? Eine Softwarefirma hat ein innovatives System entwickelt, das auf einer gegebenen Fläche drei- bis viermal so viele Stellplätze schafft – und somit gleich mehrere Problemen löst: Der „TruckTower“ ist umweltschonendes Lkw-Parkhaus und preisgünstiges Fahrerhotel in einem.

Wenn Lkw-Fahrer auf Tour lange einen Parkplatz suchen müssen, riskieren sie nicht nur, dass sie ihre Lenk- und Ruhezeiten nicht einhalten können. Es kann auch sehr gefährlich werden, wenn ihre Fahrzeuge beispielsweise Ein- und Ausfahrten oder Nothaltebuchten blockieren. Mit dem „TruckTower“ hat das Software-Unternehmen ABONA aus Baden-Württemberg ein Konzept entwickelt, das dieses Problem deutlich mindern könnte: Das kompakte Parkhaus für Lkw kann aus zwei vorhandenen Stellflächen bis zu sieben machen. Und dafür benötigt es nicht einmal mehr Fläche, denn es verzichtet komplett auf platzraubende Zufahrten.

Hydraulisch clever abgestellt

Ein Hochregallager war die Inspiration für die Erfindung des „TruckTower“: Er bringt die Fahrzeuge per Hydraulik übereinander und nebeneinander unter. Dazu werden sie vor der Einfahrt gewogen, ehe ihnen zuerst ein ebenerdiger Stellplatz zugewiesen wird. Wenn ein weiteres Fahrzeug hinzukommt, entscheidet das Verhältnis der Gewichte: Der leichtere Truck wird mit hydraulischer Unterstützung auf eins der oberen oder nebenan gelegenen Geschosse befördert, der schwerere nach unten – und das „Erdgeschoss“ ist wieder frei für den nächsten Lkw.

Die Fahrer müssen vor der Einfahrt angeben, wie lange sie voraussichtlich parken wollen. Das ist auch vorab per App, online oder über eine Hotline möglich. Eine intelligente Software ermittelt anhand der gewünschten Standzeit den idealen Stellplatz und gewährleistet, dass die Fahrzeuge nach Ablauf der Parkzeit automatisch ebenerdig platziert und damit bereit zur Ausfahrt sind. Die Fahrer sind während der Parkdauer nicht im Fahrzeug – sie können einen preisgünstigen Schlafplatz in einem direkt angeschlossenen Containerhotel buchen.

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So funktioniert der „TruckTower“.

Patentiertes System

Die Idee zum „TruckTower“ hatten Leonid Kuhn und Michael Alber, die Geschäftsführer von Albona. „Wir hatten ein Hochregallager vor Augen und haben uns gefragt, warum man nicht auch Lkw auf höhere Ebenen bringen kann, um sie zu parken“, so Alber. Sie holten sich Partner ins Boot. Die Projektierungsphase inklusive einer Machbarkeitsstudie ist abgeschlossen und das System ist sogar bereits patentiert. „Damit wir das Konzept nun auch in die Praxis bringen können, brauchen wir die Unterstützung der Behörden. Denn diese Innovation muss die nötigen Genehmigungen erhalten“, berichtet Michael Alber. „Wir haben den ‚TruckTower‘ beim Land vorgestellt und sehr positives Feedback bekommen. Nun dürfen wir das Konzept Ende 2019 auch auf Bundesebene präsentieren und hoffen, dass wir es dann schnell realisieren können.“

Umweltfreundliches Konzept

Die Erfinder betonen, wie umweltfreundlich das System ist: „Da die Fahrzeuge über die Krafterzeugung durch den Gewichtsüberschuss bewegt werden, braucht der ,TruckTower‘ wenig Strom“, erklärt Leonid Kuhn. Die Gebäude können mit Solarzellen bestückt werden, die den größten Teil der benötigten Energie erzeugen – und die teilweise lange Suche nach einem Parkplatz, die einen entsprechenden CO2-Ausstoß erzeugt, entfällt ebenfalls. Zudem bedeutet der „TruckTower“ mehr Sicherheit für Fahrer, Fahrzeuge und Ladung, denn er wird permanent videoüberwacht, und der Zugang wird kontrolliert.

Das Konzept könnte sogar Auswirkung auf die Fahrzeuge selbst haben. „Wenn man die Idee weiterdenkt, dann bräuchten Fahrer gar keine Schlafplätze im Fahrzeug mehr, wenn sie in den ‚TruckTower‘-Hotels übernachten“, so Michael Alber. „Die Hersteller könnten die Zugmaschinen kleiner bauen und somit mehr Laderaum schaffen. Das würde Spediteure unterstützen und auch wieder die Umwelt schonen.“

Im „TruckTower“ können drei schwere Lkw übereinander parken. Die Fahrer finden in einem angeschlossenen Containerhotel Platz zum Ausruhen und Schlafen.

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