Konstruktive Partnerschaft: Hestal und Tirsan Solutions entwickeln neues Trailer-Schiebeverdeck

Lesezeit ca. 5 Minuten
Text: Petra Wurm
Fotos: BPW

In einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt haben die BPW Tochter Hesterberg & Söhne und der Trailer- und Tankfahrzeughersteller Tirsan Solutions ein neuartiges Schiebeverdecksystem für Curtainsider-Trailer entwickelt: Das Hestal Roof setzte neue Maßstäbe in Sachen Handling, Langlebigkeit und Effizienz – und zeigt, wie eine konstruktive Partnerschaft Lösungen mit Mehrwert hervorbringt.

Der Trailer- und Tankfahrzeughersteller Tirsan Solutions, zu dem auch die Marke Kässbohrer gehört, arbeitet seit Langem mit der BPW Gruppe zusammen – eine Partnerschaft, die über die Jahre stetig intensiviert wurde. Heute werden in der Vor-Ort-Produktion des türkischen Nutzfahrzeugherstellers nahezu ausschließlich Fahrwerke von BPW verbaut. Auch BPW Tochtergesellschaften sind eingebunden: So kommen zum Beispiel in den Tankwagen Arbeitsscheinwerfer der Marke Ermax zum Einsatz. Und Hesterberg & Söhne steuert als Spezialist für Verschließ- und Aufbautentechnik für die Hecktüren von Curtainsider-Trailern Verschlüsse seiner Marke Hestal bei.

Verdeck mit Gurten

Drahtbügel

Endlaufwagen

Vom Projekt zum Produkt

Als Tirsan Solutions 2016 einen Partner für ein Entwicklungsprojekt suchte, fiel demnach schon aufgrund der langjährigen guten Zusammenarbeit die Wahl auf Hesterberg & Söhne. Das Ziel: Ein neuartiges Schiebeverdecksystem sollte entstehen – eine Lösung mit spürbarem Mehrwert für die Transportunternehmen und die Projektpartner. Diese wollten die Technik optimieren, das Ganze effizienter, funktionaler, langlebiger und sicherer gestalten. Die Entwicklungsarbeit sollte Hesterberg & Söhne mit Sitz in Ennepetal übernehmen, Tirsan Solutions in Istanbul würde sich um die Umsetzung der praktischen Fahrversuche und um die Zertifizierungen kümmern.

Den Durchbruch brachte eine Konstruktion, die in vielen Teilen herkömmlichen Systemen ähnlich ist, jedoch durch einige Optimierungen enorme Vorteile bietet. Erste statische Tests im türkischen Adapazari verliefen vielversprechend und zeigten den Entwicklungspartnern, dass sie auf dem richtigen Weg waren. Das Grundprinzip stand also fest, darauf aufbauend wurden Detaillösungen gesucht und gefunden. Aus dem Projekt entstand Schritt für Schritt ein Produkt, das optimal auf die Produktionsprozesse der Fahrzeughersteller abgestimmt ist und Lkw-Fahrern den Transportalltag erleichtert: das Hestal Roof.

Weniger ist mehr

Was das neue Schiebeverdecksystem so besonders macht? Dass es so einfach ist! Dirk Miesen, Geschäftsführer von Hesterberg & Söhne, erklärt: „Das, was an einem Dach teuer ist, sind die Transportkosten. Der Clou an unserer Lösung ist: Das System ist so einfach gebaut, dass fast alle Komponenten nur gängige Fertigungsmethoden erfordern, die sich quasi in jedem Land der Erde umsetzen lassen.“ Das bedeutet: Die Teile können in der Regel dort gekauft werden, wo sie gebraucht werden – so entstehen entscheidende Kosten- und Montagevorteile. „Zudem haben wir insgesamt möglichst wenige verschiedene Teile genutzt, was zusätzlich Einkaufsvorteile bringt und sich auch im Aftermarket-Geschäft positiv auswirken wird“, so Miesen. Weniger ist mehr – diese Erfolgsformel hält nicht nur die Produktionskosten niedrig, sondern reduziert auch die Verschleiß- und Temperaturanfälligkeit der Konstruktion. „Was nicht da ist, kann auch nicht kaputtgehen“, bringt es Dirk Miesen auf den Punkt.

»Unser Trailer-Schiebeverdeck ist so einfach gebaut, dass fast alle Komponenten nur gängige Fertigungsmethoden erfordern, die sich quasi in jedem Land der Erde umsetzen lassen.«

Dirk Miesen, Geschäftsführer Hesterberg & Söhne

Kraftstoff und Emissionen sparen

Eine Kombination neuartiger Dachkomponenten ersetzt die in herkömmlichen Schiebeverdecksystemen verwendeten Lösungen. Dadurch wird der Schiebemechanismus deutlich leichtgängiger. Zudem nimmt bei geöffnetem Schiebeverdeck das so genannte Paket, zu dem die zurückgeschobene Plane gehört, rund zehn Prozent weniger Raum ein. Das gibt rund zehn Prozent mehr Platz für die Be- und Entladung von oben frei und bedeutet eine erhebliche Arbeitserleichterung bei der Arbeit mit dem Kran sowie entsprechend kürzere Standzeiten.

Für besondere Langlebigkeit des Hestal Roofs sorgt der Verzicht auf anfällige Gasdruckfedern – stattdessen sind robuste, temperaturunempfindliche Spiralfedern verbaut. Die innovative Bauweise macht die Konstruktion auch leichter und damit wirtschaftlicher sowie klimafreundlicher im Einsatz. Das Hestal Roof wiegt bis zu 18 Prozent weniger als vergleichbare Systeme und spart damit spürbar Kraftstoff und Emissionen.

Das Hestal Roof ist leichtgängig und bequem in der Handhabung: Das System lässt sich durch Einhaken einer Zugstange in das seitliche Zugband ziehen, alternativ auch von der Ladefläche aus.

Das Schiebeverdeck wird als Komponente eines Trailers auch die Anforderungen für verstärkte Lkw-Aufbauten nach dem Code XL der DIN EN 12642 erfüllen: Die Dehnung der zur Dachverstärkung verwendeten Gurte ist äußerst gering, sodass sie die Verwindung des Trailers minimiert. Für zusätzliche Arbeits- und Transportsicherheit werden geplante Systemerweiterungen sorgen: So ist die Integration der Hestal-Ladungssicherungshilfe CargoMaster und von Ermax-LED-Lichtbändern zur Ausleuchtung des Laderaums vorgesehen. In einem nächsten Entwicklungsschritt sollen Sensoren Schutz vor teuren Schäden an Trailer und Ladung bieten. Dazu werden am Dachende entsprechende Sensoren angebracht, zum Beispiel von idem telematics. Ein Magnetschalter am beweglichen Hubarm wird als Signalgeber dienen und im Führerhaus melden, ob das Verdeck geöffnet oder geschlossen ist.

Lösung passt perfekt in die Zeit

Zur IAA Nutzfahrzeuge im September 2022 wird das Hestal Roof einem breiten Publikum präsentiert, der Verkaufsstart folgt im ersten Quartal 2023. Es ist eine Lösung, die perfekt in die Zeit passt: „Weniger Gewicht, weniger CO2, weniger Aufwand beim Handling, weniger Bauteile, weniger Verschleiß – das bedeutet für viele Lkw-Fahrer eine deutliche Arbeitserleichterung und für Spediteure mehr Effizienz und Klimaschutz bei geringeren Kosten“, so Hesterberg-Geschäftsführer Dirk Miesen. Vom Markterfolg der gemeinsam entwickelten Lösung ist er ebenso überzeugt wie Projektpartner Tirsan Solutions. Ahmet Yilmaz, Chief Operating Officer von Tirsan Solutions, bestätigt: „Die Kooperation mit der BPW Gruppe ist weit mehr als eine Geschäftsbeziehung: Sie ist eine echte Partnerschaft, in der wir uns und unsere Produkte zum Nutzen des Kunden weiterentwickeln. Das neue Schiebeverdecksystem ist das beste Beispiel dafür.“

Dass diese Partnerschaft tragfähig ist, hat sich bereits in der Vergangenheit bewiesen. Das Hestal Roof als innovatives Produkt mit viel Potenzial ist eine weitere Dokumentation dieser Stärke. „Der relevante Markt liegt bei ca. 50.000 Schiebdächern und mehr“, erklärt Dirk Miesen. „Wir können also mit unserer neuartigen Lösung sehr vielen Lkw-Fahrerinnen und -Fahrern die Arbeit angenehmer gestalten.“

»Die Geschäftsbeziehung zur BPW Gruppe ist eine echte Partnerschaft, in der wir uns und unsere Produkte zum Nutzen des Kunden weiterentwickeln.«

Ahmet Yilmaz, Chief Operating Officer Tirsan Solutions

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2 Kommentare

  1. Da stellt sich die Branche ein paar Fragen:
    – Paketlänge aufgeschoben bei 13,6 m Länge,
    – Pakethöhe flach und aufgeschoben,
    – Aufzugkräfte bei 13,6 m Trailer mit 1% Steigung zur Stirnwand (4, 8, 12 und 16 daN sind zu unterbieten),
    – Paket aufgeschoben wird gesichert mit Bolzen oder Rolle-Rampe,
    – Endlaufbalken Zentrierung beim Zuklappen,
    – Endlaufbalken Aufstell- und Zuziehkräfte,
    – Einhaköse im Endlaufwagen für Zugstange,
    – Schraubenfeder als Aufsteller gibt es schon 20 Jahre (Anba). Kann man die Feder nachstellen?
    – Endlaufwagen an der Stirnwand möglich? (Für die Kranbahn-Kutscher).
    – Obergurt-Querschnitt(e) wären nett (was ist mit Mega?)
    – Hubschere ein-/ausbaubar mit/ohne Werkzeug?

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    • Lieber Herr Braun, herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Fragen. Gerne melden wir uns diesbezüglich persönlich bei Ihnen. Ihr motionist-Team

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