Kleines Glück aus dem Schuhkarton

Lesezeit ca. 3 Minuten
Text: Juliane Gringer
Fotos: Samaritan’s Purse, Quehenberger

Holger Philipowski, Branch Manager der Quehenberger Logistics DE GmbH, hilft dabei, dass jedes Jahr Hunderttausende Boxen mit Geschenken an notleidende Kinder weltweit verteilt werden: Er organisiert den Transport für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ von Berlin in osteuropäische Länder – und zeigt damit, wie Logistik Gutes tut.

Ein Kuscheltier, bunte Stifte, Süßigkeiten, ein Schal: Wie sehr solche kleinen Dinge Kinderaugen zum Leuchten bringen können, zeigt „Weihnachten im Schuhkarton“ jedes Jahr wieder. Weltweit erhalten bedürftige Kinder im Rahmen der Aktion im Dezember einen Schuhkarton voll Glück. So manche von ihnen haben noch nie ein Geschenk bekommen und erleben ein echtes „Weihnachtswunder“. Damit die Aktion möglich wird, sind viele Menschen engagiert: Spenderinnen und Spender, die Päckchen zusammenstellen, sowie Ehrenamtliche, die sie sichten und verladen. Am Ende organisieren Logistiker den Transport in die Länder, in denen die Kartons an die Kinder verteilt werden. Einer von ihnen ist Holger Philipowski, Branch Manager bei der Quehenberger Logistics DE GmbH: Er begann vor 16 Jahren, sich für die Initiative zu engagieren.

„Weihnachtswerkstatt“ in Berlin

Damals lernte er den Logistikverantwortlichen der Initiative von Samaritan’s Purse auf einer Messe kennen. „Uns verband das Verständnis, wie Logistik in den Zielländern von ‚Weihnachten im Schuhkarton‘ funktioniert und wie man mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort sprechen kann“, erzählt er. Die Personen, die die Hilfssendungen in Empfang nehmen, sind in der Regel Menschen in kirchlichen Ämtern – „und damit keine Fachleute für Zoll, Einfuhrrecht und Logistik“. Weltweit wurden in der vergangenen Saison 10.5050.155 Schuhkartons gepackt, knapp 390.000 davon im deutschsprachigen Raum. Sie werden in größeren Umzugskartons gebündelt und in Sammelstellen wie in Berlin konsolidiert – dort führt Samaritan’s Purse eine „Weihnachtswerkstatt“. Die Lkw von Quehenberger, viele von ihnen mit BPW Fahrwerken ausgestattet, transportieren dann 756 Umzugskartons und damit bis zu 9.000 Geschenkboxen für Kinder.

»Ich habe als junger Mann immer ‚Auf Achse‘ geschaut, und mich hat beeindruckt, wie abenteuerlich das Fernfahrerleben da wirkte. Auch wenn vieles überspitzt war: Solche Erlebnisse hat man zumindest nicht, wenn man nur eine Palette nach Belgien fährt.«

Holger Philipowski, Branch Manager, Quehenberger Logistics DE GmbH

„Für den Transport erstellen wir nach Vorgabe von Samaritan’s Purse zahlreiche Dokumente wie CMR-Frachtbrief, Gift Certificates und Zollpapiere. Da ehrenamtliche Helfende das Beladen der Lkw übernehmen, müssen wir enge Zeitfenster an der Ladestelle einhalten“, berichtet Philipowski von den Herausforderungen des Projekts. Ihn selbst hat die Fernsehserie „Auf Achse“ mit Manfred Krug Ende der 1980er-Jahre ins Transportgeschäft gebracht: „Die habe ich als junger Mann immer geschaut, und mich hat beeindruckt, wie abenteuerlich das Fernfahrerleben da wirkte. Auch wenn vieles überspitzt war: Solche Erlebnisse hat man in der Regel nicht, wenn man nur eine Palette nach Belgien fährt.“

»Die Logistikwelt ist bunt – und liefert kreative Lösungen für eine bessere Welt.«

Holger Philipowski, Branch Manager, Quehenberger Logistics DE GmbH

Vor allem Kreativität gefragt

Quehenberger Logistics ist Teil der Augustin Quehenberger Group mit Hauptsitz in Österreich. Das inhabergeführte mittelständische Logistikunternehmen hat 94 Niederlassungen in 15 Ländern und ist Spezialist für Ziele in Ost- und Südosteuropa. Auch Holger Philipowski ist in seiner Position seit Langem auf Transporte nach Osteuropa spezialisiert. Für die brauche man vor allem Kreativität, erklärt er: „Wir müssen uns in diesen Ländern besonders flexibel auf die Bedingungen vor Ort einstellen. Die Annahme von Zollpapieren hängt oftmals vom Gegenüber ab und auch die Kommunikation vorab mit den Empfängern ist nicht immer leicht.“ Sein Team arbeite grundsätzlich nicht für große Unternehmen, die Standardtransporte brauchen. „Wir sind für sensible Auftraggeber, Waren und Destinationen da, fahren unter anderem Transporte für das Auswärtige Amt, das Technische Hilfswerk und Pharmaunternehmen wie Stada oder hochwertige Waren wie Zigaretten, Spirituosen und Datenspeichergeräte. Es sind Transporte, bei denen alles handmade ist und wir jede Palette mit Samthandschuhen anfassen.“ Logistik ist für ihn ein People Business, in dem man die Bedürfnisse aller Beteiligten kennen muss, um individuell darauf eingehen zu können: „Es ist viel mehr als nur der Transport von A nach B. Die Logistikwelt ist bunt – und liefert kreative Lösungen für eine bessere Welt.“
Das Engagement für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ist ein Baustein davon. Warum sein Team und er sich daran beteiligen? „Weil es eine wunderbare Möglichkeit ist, individuell Gutes zu tun“, sagt Philipowski. Für ihn wird das immer schon im Herbst ganz praktisch sichtbar: Lange vor Weihnachten stapeln sich in einer Ecke seines Besprechungszimmers die Pakete immer höher: „Schon dieser Anblick hat etwas sehr Erfüllendes.“ Und wenn er dann die Videos von Samaritan’s Purse sieht, die zeigen, wie die Päckchen übergeben werden und wie sehr sich die beschenkten Kinder darüber freuen, wird für ihn jedes Mal wieder klar: „Diese Geschenke kommen an.“

Hinter „Weihnachten im Schuhkarton“ steht der Verein „Samaritan’s Purse – Die barmherzigen Samariter“, der jungen und erwachsenen Menschen in Not hilft. Dabei arbeitet er eng mit Kirchengemeinden vor Ort und lokalen Partnern in den Projektländern zusammen. Neben rund 40 hauptamtlichen Mitarbeitenden unterstützen etwa 10.000 Ehrenamtliche die Aktionen.

Wer bei „Weihnachten im Schuhkarton“ mitmachen möchte, kann zum Beispiel ab Mitte Oktober selbst einen Karton packen: Die Spenderinnen und Spender werden gebeten, diesen mit einer Mischung aus neuwertigen Dingen zu befüllen, von Kleidung, Hygieneartikeln und Schulmaterialien über Kuscheltiere und Spielzeug bis zu Süßigkeiten. Auch persönliche Grüße und ein Foto können beigelegt werden. Weiterhin wird eine Spende von zehn Euro pro beschenktem Kind empfohlen, die für Transport, Unterstützung der Ehrenamtlichen, Öffentlichkeitsarbeit und Qualitätssicherung eingesetzt wird. Jeweils bis Mitte November können die Pakete dann an zahlreichen Stellen persönlich übergeben werden, alternativ kann man sie bis Mitte Dezember per Post schicken. Alle Päckchen, die zu spät ankommen, werden für das kommende Jahr eingelagert. Es gibt außerdem die Möglichkeit, Päckchen online packen zu lassen.

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