KA-RaceIng: Mit E-Rennwagen und Vollgas in die Praxis

Lesezeit ca. 4 Minuten
Text: Petra Wurm
Fotos: KA-RaceIng

Einen Rennwagen bauen und damit bei einem internationalen Wettbewerb an den Start gehen? Diesen Traum können sich Studierende aus Karlsruhe erfüllen – bei KA-RaceIng, einem Verein, der zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gehört.

Jedes Jahr bauen die Studierenden vom KIT ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und zwei mit elektrischem Antrieb und nehmen damit an der „Formula Student“ teil. Der Wettbewerb wurde in den USA aus der Taufe gehoben und dort 1981 das erste Mal ausgetragen. 2006 kam das Event unter dem Namen „Formula Student Germany“ nach Deutschland, das Team aus Karlsruhe ist seit 2007 dabei. Die Rennwagen, mit denen KA-RaceIng bei diesem internationalen Konstruktionswettbewerb für Studierende an den Start geht, sind echte Kraftpakete.

E-Fahrzeuge von KA-RaceIng auf Erfolgskurs

Das E-Fahrzeug kann hier besonders glänzen: „In 4 Sekunden schafft es der KIT18c mit seinem turboaufgeladenen Verbrennungsmotor von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde – sein Bruder, der KIT18e mit vier Elektromotoren, benötigt dafür sogar nur 2,5 Sekunden“, erläutert Sherif Nekkah. Der 23-jährige Student der Mechatronik und Informationstechnik war 2018 bei KA-RaceIng verantwortlich für die Hochvolt-Batterie des E-Fahrzeugs. Inzwischen ist er Teamleiter des Bereichs Autonomes Fahren und arbeitet an der Software des elektrisch angetriebenen Driverless-Rennwagens. Der hat 2018 beachtliche Erfolge eingefahren: Die Konstruktion erreichte den Gesamtsieg bei den „FS East Driverless“ in Ungarn und den zweiten Platz beim „Heimrennen“ auf dem Hockenheimring.

Für solche Erfolge muss das Gesamtpaket stimmen. Die Studierenden müssen mit ihren Fahrzeugen nicht nur auf der Rennstrecke beweisen, dass sie schnell, sicher und wendig fahren. Ihre selbst gebauten Wagen werden auch einer kritischen Prüfung von Experten unterzogen. Der Wettbewerb besteht nämlich aus zwei Disziplinen: dem dynamischen Fahren und dem statischen Teil. In das Ergebnis fließen unter anderem Design, Beschleunigung und Ausdauer ein, die Jury bewertet aber auch, inwieweit das Team die Kosten im Blick behalten und einen tragfähigen Businessplan für eine Serienfertigung entwickelt hat.

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KA-RaceIng Gymkhana

In Teamarbeit zum Ziel

Das Team von KA-RaceIng besteht aus 80 Mitgliedern: Vor allem sind es Studierende im Maschinenbau, aber auch Kommilitonen und Kommilitoninnen aus anderen Fachrichtungen wie Elektrotechnik, Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen, BWL und Physik. Sie sind in mehreren Subteams organisiert, die sich beispielsweise auf Fahrwerk oder Motor konzentrieren. Jedes Teammitglied verantwortet eine bestimmte Aufgabe oder ein konkretes Bauteil. Das Team entwickelt nämlich nicht nur das komplette Chassis, sondern in Kooperation mit der Universität und Industriepartnern auch die Motoren und die Leistungselektronik. „Das tun wir nicht nur aus Kostengründen“, so Sherif Nekkah. „Wenn wir die Teile für unsere technisch sehr komplexen Fahrzeuge selbst entwickeln, können wir sie optimal auf unser Fahrzeug maßschneidern und so auch viel Gewicht sparen.“ Dank vieler Unterstützer können die Studierenden eine voll ausgestattete Werkstatt und hochwertige Materialien nutzen.

KA-RaceIng und BPW: kooperieren und profitieren

Mit Partnern wie BPW besteht zudem eine technologische Zusammenarbeit. In regelmäßigen Treffen tauschen Teammitglieder und Vertreter von BPW ihr Wissen aus, die Studierenden können alle ihre Fragen stellen. Von dieser Kooperation profitiert auch BPW, insbesondere im Bereich E-Mobilität – einem wichtigen Thema auch in der Nutzfahrzeugbranche. BPW beschäftigt sich in vielen Projekten intensiv damit und hat unter anderem die elektrische Antriebsachse eTransport entwickelt. Über die Zusammenarbeit bei KA-RaceIng hinaus gibt es regen Kontakt zwischen BPW und dem KIT: Besonders in der wachsenden Elektromobilitätssparte haben die Studierenden die Chance, sich nicht nur über Praktika zu empfehlen, sondern auch nach dem Studium direkt bei BPW einzusteigen.

KA-RaceIng entwickelt E-Rennwagen – und die Persönlichkeit

Sherif Nekkah ist bei einer Recruiting-Aktion von KA-RaceIng am Campus auf das Team gestoßen und war sofort von den Rennwagen fasziniert. Als er erfuhr, dass die Fahrzeuge komplett von Studierenden entwickelt und gebaut werden, war er begeistert und nutzte die Chance, daran mitzuarbeiten. Das brachte ihm viel Wissen und praktisches Können – und die Erkenntnis, wie seine berufliche Zukunft einmal aussehen soll. „Das, was ich bei KA-RaceIng mache, will ich – wenn möglich – auch später im Arbeitsleben tun. Man lernt hier unheimlich intensiv und praxisnah, wird mit vielen Themen konfrontiert. Hier habe ich mich mit E-Mobility beschäftigt und mit autonomem Fahren, und ich denke, das hilft mir auch später im Beruf weiter“, erläutert Nekkah.

»Ich kann Studierenden, die Lust haben, etwas Praktisches zu machen, nur empfehlen, hier mitzuarbeiten. Es ist eine tolle Chance und eine wertvolle Erfahrung.«

Sherif Nekkah

»Ich kann Studierenden, die Lust haben, etwas Praktisches zu machen, nur empfehlen, hier mitzuarbeiten. Es ist eine tolle Chance und eine wertvolle Erfahrung.«

Sherif Nekkah

„Man entwickelt nicht nur Fahrzeuge, sondern auch sich selbst, denn es ist eine unglaubliche Erfahrung, hier mitzumachen. Eine Aufgabe, die zunächst unlösbar erscheint, bewältigt man gemeinsam schließlich doch. Und wenn man dann ein zweites Jahr dabei ist und auch Verantwortung für ein Team übernimmt, bringt einen das nicht nur technisch, sondern auch als Person unheimlich weiter. Man wächst mit seinen Aufgaben.“ Sein Fazit: „Ich kann Studierenden, die Lust haben, etwas Praktisches zu machen, wirklich nur empfehlen, bei KA-RaceIng mitzuarbeiten. Es ist eine tolle Chance und eine wertvolle Erfahrung. Und wann hat man im Leben schon Gelegenheit, etwas so Verrücktes zu tun?“

Ein Plus im Lebenslauf

Das KIT ist ein Zusammenschluss des Forschungszentrums Karlsruhe und der Universität Karlsruhe. Das Engagement bei dem Projekt bringt den Studierenden keine Studienleistung, es ist ein Hobby, das sie neben dem Studium betreiben. Aber der Verein wird von der Uni stark unterstützt, der Wettbewerb ist in der Industrie bekannt und die Teilnahme somit ein kleines Plus im Lebenslauf. Der zuweilen fehlende Anwendungsbezug der universitären Ausbildung lässt sich hier ausgleichen: Die Studierenden setzen Wissen in die Praxis und damit in Können um.

Rasante Weiterentwicklung

Bei KA-RaceIng ist die Zukunft längst angekommen: Neben dem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor baut man seit 2010 auch einen elektrisch betriebenen Rennwagen, seit 2017 auch einen mit E-Motor und Driverless-Technik. Jedes Jahr im Mai werden die drei neuen Rennwagenmodelle vorgestellt, die das Team gemeinsam entwickelt und gebaut hat. Hier fließen das geballte Wissen und die Kreativität der Studierenden ein – und die Erfahrungen aus den absolvierten Wettbewerben der vergangenen Rennsaison in der Formula Student. So werden die Modelle rasant weiterentwickelt und optimiert, nur die Zeit, das Budget und das Reglement setzen die Grenzen. Sherif Nekkah ist sich des Freiraums bewusst, den die Studierenden bei ihrer Arbeit an den Fahrzeugen genießen: „Wir bauen ja einfach Prototypen, die Rennen fahren. In der Industrie dagegen muss alles normgerecht und juristisch abgesichert sein – gerade im Bereich autonome Systeme eine enorme Herausforderung für Fahrzeughersteller, nicht nur im Automobil-, sondern auch im Nutzfahrzeugbereich.“

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