Familienunternehmen: Kubenz macht Karriere

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Text: Joachim Geiger
Fotos: Kube & Kubenz

Konstantin Kubenz ist ein Vollblut-Logistiker, der bereits mit zwölf Jahren sein erstes Transportunternehmen aufgebaut hat. Damals war das zwar nur eine Wirtschaftssimulation am Computer – aber die Erfahrung war ohne Zweifel nachhaltig. Heute ist der 32-Jährige Chef des europäischen Gefahrgutlogistikers Kube & Kubenz. Für motionist.com zieht er Bilanz und gibt einen Ausblick, wohin die Reise künftig geht.

„Klar doch, Kube & Kubenz kann Krise. Unsere Kunden können sich auch in schwierigen Zeiten auf sichere und nachhaltige Transportlösungen verlassen“, bekräftigt Konstantin Kubenz am Telefon. Die Stimme am anderen Ende der Leitung klingt selbstbewusst, klar und kompetent. Genau so sollte sich wohl ein Geschäftsführer anhören, der sein Unternehmen mit Augenmaß und Zuversicht auf Kurs hält.

Im Oktober 2020 hat der 32-Jährige das Steuer des Tank- und Gefahrgutlogistikers Kube & Kubenz in Hamburg von seinem Vater Michael Kubenz übernommen. Wie schwer die Verantwortung jetzt auf seinen Schultern lasten mag? Immerhin hat der Senior das 1930 gegründete Familienunternehmen in den letzten 40 Jahren zu einer erstklassigen Adresse in der europäischen Chemielogistik gemacht. Die Fußstapfen sind also groß. Konstantin Kubenz zeigt sich in dieser Frage jedoch souverän. Er hat großen Respekt vor der Leistung des Vaters, der auch für einen perfekten Übergang auf die nächste Generation gesorgt hat. Den Job als Geschäftsführer hat Kubenz allerdings nicht deshalb, weil er den richtigen Namen trägt.

Das erste Transportunternehmen mit zwölf Jahren

Konstantin Kubenz ist Logistiker mit Leib und Seele. Als kleiner Junge spielte er mit Lkw-Modellen, die der Vater von der IAA mitgebracht hatte. Mit zwölf baute er am Computer in der Wirtschaftssimulation „Transport Tycoon“ sein erstes Transportunternehmen auf. Das Schulpraktikum fand natürlich im Familienunternehmen statt. Und wohin kann bei solchen Prägungen die Reise nach dem Abitur gehen? „Für mich persönlich ist es extrem wichtig, etwas zu tun, was mich begeistert“, erklärt Kubenz. An der Hochschule Fresenius in Hamburg studierte er Betriebswirtschaft und hängte an der Cranfield University bei London den Master in Supply Chain Management und Logistik dran. Die ersten beruflichen Stationen führten ihn zur Großspedition Kühne + Nagel sowie zum Beratungs- und IT-Dienstleister Capgemini. 2017 schließlich folgte er dem Ruf des Vaters nach Hamburg und trat als Prokurist ins Familienunternehmen ein.
Harry Kube und Walter Kubenz gründeten 1930 in Berlin eine Spedition, mit der sie sich auf den Lkw-Liniendienst ins Rheinland spezialisierten. In den 1950er-Jahren zog das Unternehmen nach Hamburg um.

Seit dieser Zeit ist Kube & Kubenz mit Flüssigtransporten auf Achse. Einen hohen Stellenwert hat für den Gefahrgutspezialisten heute noch der eigene Fuhrpark.

Die Unternehmensgruppe Kube & Kubenz ist auf Tank- und Gefahrgutlogistik für die chemische und petrochemische Industrie spezialisiert. Sicherheit steht im Fuhrpark an oberster Stelle. Die Wartungszyklen für die eigenen Transportmittel sind enger als der Hersteller das vorschreibt.

Konstantin Kubenz setzt auf partizipative Führung

Heute ist Konstantin Kubenz der Chef von rund 350 Beschäftigten. Wer bei Kube & Kubenz arbeitet, bleibt im Schnitt 20 Jahre – den Rekord hält ein Angestellter, der vor zwei Jahren für das 50-jährige Jubiläum ausgezeichnet wurde. Was Führung im Familienunternehmen bedeutet? „Für mich steht der Teamgedanke vermutlich stärker im Vordergrund als für die ältere Generation“, sagt Kubenz. Seine Tür steht den Mitarbeitern stets offen, statt des formellen „Sie“ herrscht auf den Fluren das kollegiale „Du“. Auch die strengere hierarchische Führung des Vaters ist bereits Geschichte. Im wöchentlich tagenden Führungskreis gilt das Prinzip der partizipativen Führung. Konstantin Kubenz behält sich zwar am Ende die wichtigen Entscheidungen vor. Trotzdem erwartet er von seinen Managern Führung – sie sollen die Entscheidungen, die in ihren Kompetenzbereichen liegen, auch wirklich treffen.

»Man sollte als junger Chef stets von den Erfahrungen des Seniors profitieren.«

Konstantin Kubenz, Geschäftsführer von Kube & Kubenz, Hamburg

Familienunternehmen mit Start-up-Mentalität

Der Wille zur Entscheidung ist für Konstantin Kubenz eine Frage der Mentalität. Das klingt ziemlich nach Start-up. Aber wie passen Gründerspirit und Familienunternehmen zusammen? Offenbar sehr gut, wenn man Kubenz zuhört: Ihm geht es darum, Strukturen und Prozesse immer wieder neu zu denken. Dass er dabei seinen Kompass konsequent auf Europa ausrichtet, hat eine überzeugende Logik – immerhin gehört die Internationalität gewissermaßen zum Erbgut der Spedition, die seit den 1950er-Jahren für europäische Unternehmen der chemischen und petrochemischen Industrie auf Achse ist. Dazu passt, dass Kube & Kubenz neben den Standorten Hamburg, Bergheim und Worms auch Niederlassungen in den Niederlanden (Dordrecht), in Frankreich (Lyon), Italien (Lainate) und Belgien (Antwerpen) unterhält. „Wir müssen weg von der Kleinstaaterei, wir müssen europäisch und größer denken“, glaubt Kubenz. Grenzschließungen innerhalb Europas sind ihm ein Graus, sein Fahrpersonal sucht er längst auch in europäischen Ländern.

Nachhaltigkeit ist Firmenpolitik

Die Zukunft liegt für Kube & Kubenz klar in Europa. Auch der Weg dorthin ist vorgezeichnet. Wenn Konstantin Kubenz über tragfähige Zukunftskonzepte spricht, dann fällt erstaunlich oft der Begriff „Nachhaltigkeit“. Tatsächlich ist der schonende Umgang mit Ressourcen seit vielen Jahren fester Bestandteil der Firmenpolitik. Nachhaltigkeit findet hier auf vielen Ebenen statt. Ein Beispiel ist die Ausrichtung der Dienstwagenordnung. „Dort, wo es möglich ist, elektrifizieren wir den Fuhrpark der Mitarbeiter“, berichtet Konstantin Kubenz. Mittlerweile hat jedes neue Dienstfahrzeug mindestens einen Hybridantrieb unter der Haube. Auch im operativen Geschäft setzt das Familienunternehmen auf Nachhaltigkeit. „Wir versuchen, viel Verkehr auf die Schiene zu bringen“, sagt Kubenz. Seinen Kunden stellt er daher selbst auf kurzen Relationen nach Möglichkeit einen intermodalen Transport zur Wahl.
Payload ist für einen Chemielogistiker das A und O.

Auf Nummer sicher mit dem eigenen Fuhrpark

Das wichtigste Spielfeld für den Logistiker bleibt jedoch die Straße. Dort zählt in erster Linie Sicherheit, damit er seine Transportaufgaben zuverlässig und nachhaltig erledigen kann. Für Konstantin Kubenz ist der eigene Fuhrpark ein absolutes Muss. Nur so kann er gewährleisten, dass die Fahrzeuge stets bestens in Schuss sind. Eine Technikabteilung kümmert sich auf Basis eines ausgefeilten Qualitätsmanagements um rund 150 Lkw und 600 Auflieger, die sich auf die verschiedenen Standorte verteilen. „Wir fahren viele Transporte mit geringem Volumen und hohem Gewicht. Jedes Gramm, das der Lkw auf der Waage einspart, ist ein Plus an Transportleistung für den Kunden“, weiß Kubenz. Einen handfesten Beitrag dazu leisten die gezogenen Einheiten, die zu über 80 Prozent auf gewichtsoptimierten Achsen von BPW laufen. „Wir schätzen BPW Bergische Achsen sehr: Das Unternehmen stellt eine hohe Ersatzteilverfügbarkeit und einen ausgezeichneten technischen Support sicher“, lobt Kubenz seinen Partner für effiziente Transport- und Logistikprozesse aus Wiehl.

Die Zukunft gehört dem Wasserstoff

Wie aber steht es um die Nachhaltigkeit bei den schweren Zugfahrzeugen? Ein größerer Wurf wäre nur von Lkw mit alternativen Antrieben zu erwarten. Dafür sieht Kubenz vorerst nur wenig Spielraum. Im Nahverkehr kann er sich den Einsatz von batterieelektrischen Trucks vorstellen – unter der Bedingung, dass es keine Einschränkungen bei der Nutzlast gibt. Die Feldversuche mit den Oberleitungs-Lkw auf der A1 zwischen Reinfeld und Lübeck und im Süden der Republik verfolgt er mit Interesse. Auf der Langstrecke hält Kubenz jedoch Wasserstoff für die sauberste Antriebsquelle: Lieber heute als morgen würde er sich ein Fahrzeug mit diesem Antrieb auf die Räder stellen. Allerdings bremst das Gefahrgutrecht solche Ambitionen aus – kein Chemiewerk in Europa würde einen Lkw mit Wasserstoffantrieb ohne ADR-Zulassung aufs Gelände fahren lassen.

Kube & Kubenz hat einen langen Atem

Die einzige realistische Option in Sachen Nachhaltigkeit ist für Kubenz derzeit der Antrieb mit Flüssiggas (LNG). Die ersten fünf Einheiten hat die Spedition gerade in Dienst gestellt, um damit Erfahrungen zu sammeln. Auf der Einkaufsliste stehen aber bereits neue Fahrzeuge und mehr Equipment für den Fuhrpark. Konstantin Kubenz hat nämlich seinem Unternehmen einen ambitionierten Wachstumskurs ins Stammbuch geschrieben: In den nächsten fünf Jahren will er beim Umsatz die magische Marke von 100 Millionen Euro knacken. Ist unter diesen Vorzeichen ein Familienunternehmen als Geschäftsmodell überhaupt noch zeitgemäß? Konstantin Kubenz zögert keine Sekunde mit der Antwort: „Ein ganz klares Ja. Wir brauchen nicht auf Investoren und die jährliche Rendite zu schielen. Wir können unsere Entscheidungen zum Wohl des Unternehmens und unserer Mitarbeiter auch auf lange Sicht treffen.“
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1 Kommentar

  1. Der Artikel ist wieder sehr gelungen und interessant. Mir gefällt darin besonders die Verknüpfung von Firmengeschichte, Unternehmensphilosophie und natürlich der Einblick ins Alltagsgeschäft.

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