Elektrische Enten statt Lieferwagen

Lesezeit ca. 4 Minuten
Text: Juliane Gringer
Fotos: Ducktrain

Mit einer elektrisch angetriebenen, automatisierten „Entenschar“ will das Aachener Unternehmen DroidDrive die Logistik in Innenstädten effizienter, sauberer und leiser gestalten: Der „Ducktrain“ bietet mit seinen Wagen in Palettengröße Platz für Paketsendungen und andere Waren, die in die City transportiert werden sollen.

Wie eine kleine Schar Enten rollen die Containerwagen einer hinter dem anderen durch die Innenstadt: Der „Ducktrain“ ist nicht auf dem Weg zum nächsten Teich, sondern bringt Pakete an die Haustüren – vollelektrisch, leise und effizient. Statt einer physischen Verbindung nutzen die automatisierten Leichtfahrzeuge die Follow-me-Technologie: Jede „Ente“ ist mit Sensoren ausgestattet, die das Führungsobjekt – das Fahrzeug ganz vorn oder eine Person, die den Zug begleitet – erkennen und sich virtuell daran koppeln. Die einzelnen Wagen, auf denen jeweils eine Palette Platz hat, folgen also stets brav der „Leitente“. Hinter dem „Ducktrain“ steckt die Aachener DroidDrive GmbH: Sie will mit dem System konventionelle Lieferfahrzeuge in den Städten ersetzen.

Automatisiertes Fahren ist noch nicht ausgereift

CEO Kai Kreisköther engagiert sich seit 2011 für Elektromobilität. Gemeinsam mit Prof. Achim Kampker sowie weiteren Kolleginnen und Kollegen hat er entsprechenden Lehrstuhl an der RWTH Aachen aufgebaut und dort auch intensiv an der Entwicklung des vollelektrischen Kleintransporters StreetScooter mitgewirkt. „Dabei haben wir sehr viel über die Funktionsweisen und die technologischen Herausforderungen eines solchen Fahrzeugs gelernt“, erklärt Kreisköther. Ab 2014 durfte er dann ein Team aufbauen, das sich auf das Thema Automatisierung konzentrieren sollte. „Wir haben zum Beispiel Drohnen fliegen lassen, aber in puncto automatisiertes Fahren war klar, dass es noch sehr lange dauern würde, das auf der Straße zu realisieren – weder war die Technologie ausgereift noch die gesetzliche Lage geklärt. Beides trifft auch heute noch zu.“

»Derzeit arbeiten wir an den allerletzten Details. Parallel versuchen wir, ein Agreement mit den Straßenverkehrsbehörden zu finden, damit dieses Fahrzeug auch auf öffentlicher Straße fahren darf.«

Kai Kreisköther, CEO, DroidDrive GmbH

Einigung mit Straßenbehörden angestrebt

Gemeinsam mit zwei Kollegen beschloss Kreisköther, ein eigenes Produkt zu bauen und dabei genau diese Realität zu akzeptieren – „auch wenn mir das als Ingenieur wirklich schwerfällt, denn wir wissen ja, dass die Technik funktioniert. Sie ist aber einfach noch nicht reif genug, um damit wirklich nach draußen zu gehen.“ Die Follow-me-Technologie war der Kompromiss: ein Zwischenschritt auf dem Weg zum automatisierten Fahren. Ein Prototyp war schon 2018 fertiggestellt – bis zu 30 km/h schnell und „unter sehr realen Bedingungen wie bei Regen und Schnee schon sehr funktionsfähig“, berichtet Kreisköther. „Derzeit arbeiten wir an den allerletzten Details. Parallel versuchen wir, ein Agreement mit den Straßenverkehrsbehörden zu finden, damit dieses Fahrzeug auch auf öffentlicher Straße fahren darf. Wir arbeiten seit längerer Zeit unter anderem mit dem TÜV und dem Verkehrsministerium zusammen und wissen nun, was wir tun müssen, um den Ducktrain auf die Straße zu bringen.“ Gestartet wird in Aachen, dann sollen Metropolen wie Hamburg und Berlin sowie Städte in Hessen, Rheinland-Pfalz und Süddeutschland folgen. Weiterhin sollen die „Enten“ schon bald im europäischen Ausland eingesetzt werden, etwa in Belgien, den Niederlanden, Österreich oder der Schweiz.

Auch für Handel und Handwerker geeignet

Die „Enten“ können nicht nur beim Zustellen von Paketen an Endverbraucher helfen, sondern beispielsweise auch den Handel beliefern oder Handwerkern zur Seite stehen. Das Konzept sieht vor, dass ein Ducktrain mit rund fünf Fahrzeugen die Sendungen aus einem Hub vor den Toren der Stadt abholt und in die City bringt. „Damit würde man Mikro-Hubs in den Innenstädten sparen, denn dort sind Flächen ja rar. Und anders als beim Cargo-Bike, das regelmäßig aufgeladen werden muss, kann ich hier im Shuttle-Verkehr in 5er-Kolonnen in die Innenstädte fahren, wo dann Botinnen und Boten den Stop-and-go-Verkehr zu den Haustüren betreuen. Und weil wir genau wissen, welche Pakete auf den Ducks sind und wo die Tour damit endet, können wir dort schon den nächsten Zug plus Zustellerin oder Zusteller platzieren.“ Diese Teilung des Prozesses soll die Effizienz der Zustellung deutlich erhöhen. In einer Simulation konnten 20 bis 40 Prozent der Kosten eingespart werden – im Vergleich zum klassischen Van, aber auch zum Cargo-Bike.

Bis zu 60 Millionen Tonnen CO2 sparen

Dass die Ducks zu 100 Prozent elektrisch „watscheln“, könnte laut dem Ducktrain-Team auch über 60 Millionen Tonnen CO2 in europäischen Städten einsparen. Abgasfrei, leise, schmal gebaut und mit 300 Kilogramm Nutzlast sowie zwei Kubikmeter Lagervolumen pro Einheit empfiehlt sich das System als grüne Lösung für die Innenstadtlogistik. Der Ducktrain manövriert an Staus vorbei und lässt sich weder von Pollern noch von schmalen Gassen oder Fußgängerzonen aufhalten. Wenn Personen kreuzen oder eine Katze vorbeihuscht, erkennt er das und bremst automatisch ab. Der Zug kann sowohl auf der Straße als auch auf Fuß- und Radwegen fahren; Kreisköther erwartet jedoch vor allem den Einsatz auf der Straße und gibt dabei zu bedenken: „Die Ducks sind nur rund einen Meter schmal und nehmen damit deutlich weniger Raum ein als beispielsweise klassische Transporter.“ Für ihn ist der Ducktrain ein Baustein für eine Gesamtlösung im innerstädtischen Verkehr: Kreisköther glaubt, dass er sich als niedrigschwelliges Einstiegsprodukt in den kommenden Jahren zu einem sehr effizienten Betriebsmittel entwickeln wird. Weitere Entwicklungsschritte sind technisch schon heute möglich, müssen aber noch warten, bis sie regulatorisch umsetzbar werden. Per Software-Update sollen die Ducks dann in die Lage versetzt werden, Teile ihrer Fahrt vollautomatisiert zu absolvieren.
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