Eiskalter Genuss – klimaneutral serviert

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Text: Oliver Schönfeld
Fotos: Florida Eis

Sommer, Sonne und dazu ein süßes, cremiges Speiseeis: Das ist ein unwiderstehlicher Dreiklang. Eine Berliner Eismanufaktur macht das Vergnügen noch größer, denn sie strebt Klimaneutralität an – von der Produktion bis zur Logistik.

Bereits seit 1927 ist „Florida-Eis“ für Berliner ein fester Begriff. Über Jahrzehnte wurde die kleine und feine Produktion mit ihrem Café im Stadtbezirk Spandau als Geheimtipp gehandelt. 1985 übernahm Olaf Höhn die Leitung und führte das Unternehmen auf Wachstumskurs: Derzeit beliefert Florida-Eis bundesweit über 2.000 Kunden aus Gastronomie und Handel. „Eis ist ein reines Genussprodukt. Meine Überzeugung ist, dass Produktion und Lieferung das Klima nicht unnötig belasten sollten“, erklärt der Unternehmer.

Auf Klimaneutralität getrimmt

Seit acht Jahren verfolgt Florida-Eis eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie und hat seitdem nach eigenen Angaben gut 3.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Das gelang durch Optimierungen über alle Prozessschritte hinweg: Energie-Rückgewinnung aus den Kältemaschinen, Solarthermie in der Produktion, Glasschaumschotter für die Isolierung im Tiefkühlbereich, eine der ersten Adsorptionskälteanlagen, die bis zu 60 Prozent Energie bei der Kühlung einspart – eine Vielzahl an Maßnahmen soll zur angestrebten CO2-Neutralität führen. „Ich bin Ingenieur und will daher nicht nur Probleme sehen, sondern Lösungen finden“, schildert Höhn.

»Eis ist ein Genussprodukt, das nicht das Klima belasten sollte.«

Olaf Höhn, Geschäftsführer der Florida-Eis Manufaktur GmbH

Elektromobilität für urbane Verkehre

So überrascht es nicht, dass auch die unternehmenseigene Logistik schon früh auf die Agenda kam. „Elektromobilität ist für uns die Zukunft, in ökologischer Hinsicht, aber auch, wenn es um die gesellschaftliche Akzeptanz von innerstädtischen Lieferverkehren geht“, erklärt der Geschäftsführer. Was mit einem ersten Transporter begann, ist mittlerweile auf eine Flotte von fünf Pkw und sechs Transportern angewachsen, die in ganz Berlin das Eis zu den Cafés und Verkaufsstellen bringen. Sukzessive soll die gesamte Flotte auf Elektrofahrzeuge umgestellt werden. „Die Akzeptanz bei Kunden und Bevölkerung ist enorm: Unsere Fahrer werden immer wieder auf die Elektrofahrzeuge angesprochen, das hätte ich in diesem Maß nie erwartet“, so Höhn.

Eutektische Kühlung spart Energie beim Transport

Das Unternehmen verzichtet sogar auf eine aktive Kühlung des Speiseeises. Lange bevor Elektromobilität zum Thema wurde, hat Höhn so lange am Prinzip der eutektischen Kühlung getüftelt, bis die Technik für seine Anforderungen praxistauglich war. Die Idee dahinter: Vorgekühlte Platten geben laufend Kälte ab und halten somit die Lebensmittel im vorgegebenen Temperaturbereich – energiesparend und klimafreundlich. Mit Fahrzeugen der Modelle Maxus EV80 und Nissan e-NV200 sowie der eutektischen Kühlung reist das Speiseeis CO2-frei und leise durch die Innenstadt von Berlin. Die Reichweite des Maxus von knapp 200 Kilometern reicht für die urbanen Lieferverkehre vollkommen aus, die eutektische Kühlung hält nach einmaligem Aufladen sogar bis zu zwei Tage an.

An Forschungsprojekten beteiligt

Um der Elektromobilität im Transportbereich zum Durchbruch zu verhelfen, investiert das Unternehmen darüber hinaus Zeit und Know-how in Forschungsprojekte wie EN-WIN („Elektromobile Nutzfahrzeuge wirtschaftlich und nachhaltig einsetzen“). Dazu stellte Florida-Eis sowohl 3,5- bis 7,5-Tonnen-Fahrzeuge als auch 12-Tonnen-Lkw zur Verfügung, um Daten aufzuzeichnen. Gemeinsam mit weiteren Partnern, unter anderem BPW Bergische Achsen KG, ging es bei dem Projekt darum, konkrete Praxiserfahrungen zu sammeln und mit den aufbereiteten Daten neue Impulse für Tourenoptimierung und elektrische Lieferketten zu geben. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML, der Hochschule Fulda und des Fachgebiets Fahrerverhaltensbeobachtung für energetische Optimierung und Unfallvermeidung der TU Berlin werten die gesammelten Daten nun aus. Das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt deckt den gesamten Bereich der Nutzfahrzeugklassen von fünf bis 40 Tonnen ab.

Aus Sonne hochwertiges Eis machen

Höhn erhofft sich aus der Forschung konkrete Anstöße für das eigene Tagesgeschäft. „Unsere Vision ist, dass wir unser Eis ausschließlich mit elektrischen Fahrzeugen ausliefern und dass es über moderne Logistik CO2-neutral in den Lebensmittelmarkt kommt.“ Dazu sollen auch weitere Eigenentwicklungen wie die smarte Kühltruhe beitragen: Sie weiß stets, welche Eissorten gerade in ihr stecken, und kann so die Beschaffung optimieren. Hohe Standards in puncto Klimaneutralität setzt auch die 2013 neu eröffnete Eisproduktion am Zeppelinpark in Berlin-Spandau mit Solarthermie und weiteren Maßnahmen. „Wir machen aus Sonne Eis“ – dieses Motto wird dort täglich in die Tat umgesetzt.
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