Digitale Logistik in Bildern gedacht

Lesezeit: ca. 7 Minuten
Text: Juliane Gringer
Illustrationen: Grażyna Ostrowska-Henschel

Haben Sie Logistik schon mal in Bildern gedacht? Probieren Sie es aus! Denn das kann spannende neue Einsichten ermöglichen. Wir zeigen fünf inspirierende Blickwinkel auf den Wandel in der Branche, die Speaker des Wiehler Forums 2019 bei BPW Bergische Achsen mit den Top-Entscheidern aus Transport und Logistik geteilt haben.

»Auf dem Weg in die digitale, vernetzte Zukunft braucht man Fitness und Ausdauer: Nur wer regelmäßig trainiert, wird wirklich fit genug.«

Johannes Berg, Geschäftsführer Digital Hub Logistics Hamburg

Wer fit sein will für die digitale Zukunft, der muss regelmäßig dafür trainieren – indem er Wissen sammelt, sich gute Ausbilder sucht, mit Partnern gemeinsam in den Ring geht und Ideen pitcht. „Wir alle wissen, was passiert, wenn man Mitglied in einem Fitnessstudio ist und das eher als Fördermitgliedschaft betrachtet“, erklärt Johannes Berg, Geschäftsführer des Digital Hub Logistics Hamburg. „Die Muskeln wachsen nicht von alleine, man muss sich schon wirklich für seine Ziele engagieren. Deshalb heißt es: Ran an die Geräte! Man muss lernen, diese richtig zu benutzen, und dann damit die Kraft aufbauen, die man für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen braucht.“ Der Digital Hub Logistics in der Hansestadt ist eine Art Fitnessstudio für Innovation und Digitalisierung: Dort werden Unternehmen, Start-ups, Forschung und Bildung an einem Ort vereint, um gemeinsam die Logistik von morgen zu gestalten. Und das funktioniert nur über regelmäßiges Training, sprich: Wenn sich Unternehmen im Hub einmieten, dann nutzen sie dessen Infrastruktur und Netzwerk, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, Ideen zu finden und sie mit Partnern zu verwirklichen.

Das kann man auch auf eigene Faust organisieren, indem man sich zum Beispiel mit Start-ups oder anderen Akteuren der Branche vernetzt – über eigene Kontakte, Verbände oder Initiativen. „Man muss nur offen sein und die nötigen Kapazitäten dafür frei halten oder schaffen“, so Berg. „Manche Mittelständler kriegen das hin. Andere sagen: Wir haben volle Auftragsbücher, keine Ressourcen, und die Mitgliedschaft im Fitnessstudio darf bitte auch nichts kosten … dann wird es immer ein bisschen kompliziert.“ Er rät Unternehmen, die sich auf den Weg machen, alle drei bis sechs Monate innezuhalten und über einen neuen Trainingsplan nachzudenken. Der kann leichte oder stärkere Kurskorrekturen vorgeben – damit man das Ziel im Blick behält.

»Für Unternehmen sind Daten Gold wert!«

Roman Rapoport, CIO BPW Bergische Achsen

„Google setzt an einem einzigen Tag etwa 400 Millionen Euro um, und das mit einer lukrativen Gewinnmarge“, sagt Roman Rapoport, CIO von BPW. „Und dieses Geld wird überwiegend mit Daten verdient. Logistikunternehmen müssen sich bewusst sein: Daten sind auch ihr Gold!“ Unternehmer sollten genau prüfen, wie sie mit existierenden Daten einen Nutzen generieren können, rät er. Auch bei der Entwicklung von künftigen Produkten und Dienstleistungen sollten diese Erkenntnisse eine Rolle spielen. Rapoport sieht in der gezielten und intelligenten Nutzung von Daten eine starke Zukunft für die Logistikbranche. Denn der digitale Wandel zeigt eine massive Entwicklung in diese Richtung. Innerhalb von wenigen Jahren wird sich beispielsweise die Anzahl von Internet of Things-Einheiten in der Branche signifikant erhöhen: „Was könnten vor diesem Hintergrund datengetriebene Geschäftsmodelle sein, bei welchen Sie Ihr Logistik-Know-how einbringen können?“, fragt Rapoport. Gelingt es, die richtigen Erkenntnisse zu bündeln sowie die richtigen Partner für innovative Kooperationen zu gewinnen, sind gewinnbringende neue Geschäftsmodelle möglich.

»Wer einen hohen Berg besteigt, der verliert unterwegs oft den Gipfel aus dem Blick.«

Julia Miosga, Geschäftsführerin „Die DigitalLandschaftsGärtnerin“

„Wenn wir uns persönliche Ziele setzen, vergleiche ich das gerne mit einem Berg, den wir besteigen wollen“, erklärt Julia Miosga, Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens „Die DigitalLandschaftsGärtnerin“. „Wenn man den Berg aus der Ferne betrachtet, sieht er gar nicht so groß aus, und man denkt optimistisch: ‚Da hochgehen? Klar, das schaffe ich!‘ Wenn man dann aber während des Aufstiegs an der Steilwand hängt, kann der Gipfel schnell aus dem Blickfeld geraten – und das provoziert Zweifel.“ In diesen Momenten sei es wichtig, ein Vertrauen in die eigenen Stärken zu haben und den Glauben daran zu behalten, dass der Gipfel immer noch da oben auf einen wartet, dass man ihn erreichen wird – und vor allem, dass man oben mit einer tollen Aussicht belohnt wird. Für Miosga ist klar, dass alle, die sich auf den Weg zum Gipfel machen, Mut und Pioniergeist im Gepäck haben. Sie verweist auf die amerikanische Autorin Brené Brown, die zu menschlichem Verhalten forscht und untersucht hat, wie Unternehmer es schaffen, mutige und innovative Teams zu führen. Browns Fazit: Es zählt die Wertschätzung gegenüber jedem einzelnen Mitarbeiter. „Denn wenn ich als Mitarbeiter so akzeptiert werde, wie ich bin – mit meinen Stärken und Schwächen –, und wenn meine Leistungen gesehen werden, dann bin ich auch in der Lage, innovative Ideen zu entwickeln“, erklärt Miosga. „Ich darf keine Angst vor Herabwürdigung haben, auch wenn aus einer Idee nichts werden sollte. Man muss auch manchmal falsche Dinge tun können, ohne dass man harte Konsequenzen erwarten muss. Dann gelingt der Aufstieg zum Gipfel. Deshalb bitte ich Sie: Bleiben Sie mutig!“

»Wenn Kompetenzen verschmelzen und man etwas Neues wagt, dann ergibt 1 und 1 auch mal 3.«

Alexander Lutze, Leiter des BPW Innovation Lab

Partnerschaften haben eine enorme Kraft: Man kann Kompetenzen bündeln, Ideen und Wissen austauschen – und gemeinsam mehr erreichen. „Es gibt sehr viele sehr gute mittelständische Unternehmen, die in der Transport- und Logistikbranche unterwegs sind. Ich würde mir wünschen, dass sie offener in Partnerschaften gehen“, sagt Alexander Lutze, Leiter des BPW Innovation Lab. „Gerade in unsicheren, konjunkturell schwierigen Zeiten würde ich sie wirklich dazu ermutigen, sich zusammenzutun.“ Er selbst sucht immer wieder gemeinsam mit Kunden nach innovativen Lösungen. So ist beispielsweise der BPW CargoTracer entstanden, mit dem man Waren günstig digital verfolgen kann. „Wenn man mit anderen im Team arbeitet, denkt und Ziele verfolgt, kann man beispielsweise noch besser ergründen, wo vielleicht heute schon Nährboden für neue digitale Geschäftsmodelle liegt, welche sich signifikant von den üblichen Branchenlogiken unterscheiden und mit etablierten Wettbewerbsregeln brechen“, ist Lutze überzeugt. Dann gilt es, Ressourcen und Kompetenzen der Partner zu verschmelzen und Neues zu wagen: „Man muss bereit sein, Input zu geben – nicht nur monetär, sondern vor allem mit Zeit und einem freien Kopf. Dann ergibt 1 und 1 nicht nur 2, sondern auch schnell mal 3.“

»Innovationen entstehen, wenn man Grundsätze bricht.«

Dr. Bert Schröer, Leiter Fuhrparkmanagement AWB Köln

„Die Logistik ist und bleibt eine extrem konservative Branche“, ist Bert Schröer, Leiter des Fuhrparkmanagements der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH (AWB), überzeugt. „Wir haben am liebsten unseren roten Faden im Fuhrpark und eine hohe Standardisierung.“ Für Innovationen bleibe da wenig Platz: „Die entstehen eigentlich nur, wenn wir genau diesen Grundsatz brechen und sagen, jetzt gehen wir mal den Weg, den die anderen noch nicht gehen.“ So haben die AWB gemeinsam mit BPW einen Mercedes-Benz Vario von Diesel auf Elektroantrieb umgerüstet. Er wird in Köln als Kolonnenfahrzeug in der Straßenreinigung eingesetzt. Die AWB setzen verstärkt auf alternative Antriebe, um Emissionen zu verringern: So nutzen unter anderem Mitarbeiter elektrische Pkw, E-Bikes werden als Lastenräder eingesetzt und kleine Elektro-Transporter in Grünanlagen. „Als wir uns vorgenommen haben, dieses Thema stärker in unser Unternehmen und damit auf die Straßen der Stadt zu bringen, wurde eine Entwicklung losgetreten. Auch die Kooperation mit BPW ist abseits unseres normalen Standards entstanden – das muss man sich trauen, dazu muss man Neues wagen. Und ich denke, nur so werden auch in Zukunft Fortschritte entstehen.“ Schröer verweist auch an die Politik, die sich stärker für die Senkung von Emissionen engagieren solle: „Aber wenn wir nur darauf warten, warten wir sicher noch lange. Deswegen sollten wir immer wieder Beispiele liefern, in denen wir aus eigenem Antrieb Erfolge erzielt haben.“ Davon gibt es seiner Meinung nach reichlich; man müsse sie nur auch deutlich präsentieren: „Wir müssen sie zur richtigen Zeit hochhalten und sagen: ‚Seht ihr, das haben wir geschafft!‘ – und das auch noch im großen Stil. Wenn das gelingt, haben wir erreicht, was die Zukunft von uns fordert.“

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