„Digital Hubs“ für Deutschland

Lesezeit ca. 4 Minuten
Text: Juliane Gringer
Fotos: iStock – AF-studio, Dierk Kruse, BPW

Mit „Digital Hubs Germany“ haben das Bundeswirtschaftsministerium und der Branchenverband Bitkom e. V. eine Initiative mit internationaler Strahlkraft entwickelt. Unternehmen können sich dort vernetzen und mit Start-ups zusammenarbeiten.

Projektbüros, in denen sich Global Player, mittelständische sowie kleine Unternehmen und Start-ups vernetzen und gemeinsam Ideen entwickeln: Mit den „Digital Hubs Germany“ (De:Hubs) hat das Bundeswirtschaftsministerium in Kooperation mit dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) bis 2017 insgesamt zwölf solcher Orte in Deutschland geschaffen. Zwei von ihnen, in Dortmund und Hamburg, konzentrieren sich auf logistische Fragestellungen und sollen die Digitalisierung der Logistikbranche vorantreiben. Der Dortmunder Hub wird in enger Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML betrieben. In Hamburg sind die Hamburger Wirtschaftsbehörde und die Logistik-Initiative Hamburg die Initiatoren.

Transformation gestalten

„Wir wollen mit den De:Hubs digitale Strahlkraft entwickeln und zeigen, dass es in Deutschland viele Zentren für digitalen Fortschritt und Innovation gibt“, erklärt Julia Miosga, Bereichsleiterin Handel & Logistik des Bitkom. Es soll ein offenes, digitales Ökosystem entstehen, in dem Branchenriesen, Mittelständler und Start-ups zusammen mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Kapitalgebern die digitale Transformation Deutschlands gestalten. Drei weitere Hubs haben zusammen mit den zwei auf Logistik spezialisierten Adressen den Anfang gemacht: In München widmet man sich der Mobilität, in Frankfurt Finanztechnologien und in Berlin dem Internet of Things sowie der Digitalisierung des Finanzwesens.

Die De:Hubs fungieren als zentrale Anlaufpunkte, die unbürokratisch und direkt Wissen und Kontakte bieten. „Wenn jemand beispielsweise autonome Schifffahrt testen möchte, dann kann er in den Hamburger Hub gehen und trifft dort kompetente Ansprechpartner zu dem Thema“, so Julia Miosga. Mitarbeiter von Unternehmen, die sich mit dem Thema befassen, können in den Projektbüros Schreibtisch an Schreibtisch arbeiten, um Erfahrungen und Lösungsansätze auszutauschen.

Technologien praktisch erproben

„Jeder ist in den Digital Hubs willkommen.“ Die Unternehmen können auch die „Makerspaces“ nutzen, die ebenfalls eigens installiert wurden: Dort werden Technologien wie Drohnen oder 3D-Drucker praktisch erprobt. Interessenten und Partner aus Wissenschaft und Forschung sind eingeladen mitzuwirken. Ein umfangreiches Programm mit Events und Führungen bildet den Rahmen, viele Veranstaltungen sind offen für Privatpersonen.

»Wir wollen Kräfte bündeln, sowohl finanziell als auch personell.«

Julia Miosga, Bereichsleiterin Handel & Logistik des Bitkom

Die digitalen Hubs verstehen sich nicht als Konkurrenz zu bereits bestehenden Netzwerken, sondern es sollen Synergieeffekte genutzt werden. Deshalb werden existierende Projekte integriert. „Wir wollen Kräfte bündeln, sowohl finanziell als auch personell“, so Miosga. Der Bitkom war Impulsgeber der Hubs, die Idee ist dort im Präsidium entstanden. „Der Wunsch nach Vernetzung war da, und die Idee ist auf ein großes Echo gestoßen, sowohl beim Bundeswirtschaftsministerium als auch bei den Ländern, bei den Unternehmen aus den beteiligten Branchen sowie bei Start-ups.“

Mittelstand einbeziehen

Gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium wurde die Initiative Ende 2016 aus der Taufe gehoben. Die Resonanz ist nach wie vor groß: Viele Unternehmen kommen von selbst auf die De:Hubs zu und möchten die Chance auf Teilhabe nutzen. „Wir mussten wirklich niemanden dazu überreden, teilzunehmen“, sagt Miosga und betont, dass es vor allem wichtig sei, den Mittelstand einzubeziehen. „Viele Unternehmen haben Nischengeschäfte für sich besetzt und sind dort sehr erfolgreich. Mit ihrem speziellen Wissen können sie anderen gute Impulse geben, und gleichzeitig profitieren sie vom Input fachfremder Akteure.“ In einem Leitfaden erklärt der Bitkom, wie mittelständische Unternehmen „In 10 Schritten digital“ werden können. „Wir fordern sie dazu auf, eine eigene Digitalstrategie zu entwickeln und dabei über den Tellerrand zu schauen“, erklärt Miosga. Sie sollten sich digital vernetzen, die eigenen Daten klug nutzen und auch mit Unternehmen kooperieren, die nicht direkt Kunden oder Geschäftspartner sind. „Wenn vielleicht auch ihr Kerngeschäft nicht digital sein mag und nicht die nötigen Ressourcen zur Verfügung stehen, dann gibt es womöglich ein Start-up, das genau die fehlenden Aspekte ergänzen kann.“ Im digitalen Hub können sie diese jungen Unternehmen direkt und unkompliziert kennenlernen und mit ihnen innovative Lösungen sowie neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Unterstützung holen

Sich mit Innovationen in der Transportwelt intensiv auseinanderzusetzen und sie für das eigene Geschäftsmodell zu nutzen, ist für viele Unternehmen eine große Herausforderung. „3D-Druck beispielsweise wird den Transport stark verändern, die Hersteller werden zu Händlern, und der Handel wird digital“, so Miosga. „Doch viele Unternehmer sind unsicher, wie sie mit solchen Trends umgehen sollen. Ich denke, es ist wichtig, dass sie wissen, dass sie nicht in allem Spezialisten sein können – und auch nicht müssen. Aber man sollte die Trends kennen und kann sich dann Unterstützung holen.“ Die digitalen Hubs bieten dafür ideale Möglichkeiten.
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BPW führt eigenes Innovation Lab

Mit seinem hauseigenen Innovation Lab hat BPW selbst einen Ort geschaffen, an dem individuelle Lösungen entwickelt werden, die Transportprozesse effizienter und sicherer organisieren.„Wir wollen Transparenz über die gesamte Logistikkette schaffen“, erklärt Marcus Sassenrath, der in der BPW Gruppe als CDO für die IT- und Digitalstrategie verantwortlich ist. Das Innovation Lab ist auf 250 Quadratmetern modernster Bürofläche in einem alten Industriekomplex in Siegburg heimisch. Von dort aus untersucht das Team gemeinsam mit den Kunden konkrete logistische Anwendungsfälle und entwickelt für sie aus den Chancen der Digitalisierung heraus völlig neue Lösungsansätze. Vor allem Fortschritte bei Sensorik, Datenhaltung und -analyse ermöglichen deutlich kostengünstigere oder völlig neue Lösungen.

Moderne Denkfabrik: Alexander Lutze, Marcus Sassenrath und David Huperz (von links) im Innovation Lab von BPW.

Das Innovation Lab setzt bewusst auf Entwicklungsprojekte. „Wir wollen nicht die x-te neue Riesen-Super-Cloud-Plattform bauen, sondern zusammen mit Partnern und Kunden lernen. Wir wollen neue Problemlösungen finden und so gemeinsam die Speerspitze der Digitalisierung in der Logistik bilden“, fasst Sassenrath zusammen. Es sei ein sehr offener Prozess: „Wir wollen den Nebel lichten, mit dem sich viele Unternehmen konfrontiert sehen, wenn es um Digitalisierung geht. Und das klappt nur, wenn man die Probleme anpackt und ausprobiert, was funktioniert und sich rechnet.“
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