Der Klassiker für den Agrar-Einsatz

Lesezeit: ca. 5 Minuten
Text: Juliane Gringer
Fotos: Conow

Der HW80, ein besonders flexibler Zweiseiten-Kippanhänger, ist seit Jahrzehnten im Einsatz: Seine simple, aber geniale Konstruktion hat sich so sehr bewährt, dass er seit seiner Entwicklung in den 1970er-Jahren nur wenige Upgrades erfahren hat – eins davon sind BPW Achsen.

Erdhaufen auf einem Feld, große Löcher, Hügel und Hänge: Für den Zweiseiten-Kippanhänger HW80 sind das alles keine Hindernisse, die ihn aufhalten würden. Er fährt beständig seiner Wege und bringt beispielsweise Getreide in die Höfe von Landwirtinnen und Landwirten, die den Klassiker seit Jahrzehnten nutzen. Das Erfolgsrezept des HW80 beruht auf dem sehr beweglichen Fahrgestell und nachgiebigen Blattfedern, mit denen er seinen starren Aufbau sicher durch so gut wie jedes Gelände manövriert. „Der Anhänger ist unglaublich flexibel im Rahmen und bewegt sich stark mit, was ihn gerade für Hanglagen so interessant macht“, erklärt Martin Hüttenrauch, Geschäftsführer von Conow Anhängerbau. Das Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern fertigt den HW80 heute. Dessen vielfältige Einsatzmöglichkeiten haben ihn zu einem echten Evergreen gemacht: Der HW80 ist die „#eierlegendewollmilchsau“ unter den Agrar-Anhängern – und so wirbt Conow Anhängerbau auch mit diesem Hashtag auf seinen Social-Media-Kanälen dafür.

Geschäftsbeziehungen bis nach Äthiopien

Seinen Ursprung hat das Modell im sächsischen Werder, wo Ingenieurinnen und Ingenieure des VEB Kraftfahrzeugbau „Ernst Grube“ ihn zu DDR-Zeiten, in den 1970er-Jahren, entwickelten. Ernst Grube produzierte den HW80 für die gesamte DDR und exportierte ihn nach Polen, Ungarn,Rumänien und sogar bis nach Äthiopien – bis heute pflegt Conow Geschäftsbeziehungen mit dem ostafrikanischen Land. Als Ernst Grube nach der Wende sein Werk schloss, fuhren die Inhaber des frisch gegründeten Unternehmens Conow hin, um die Informationen zu sichern, mit denen der Anhänger weiterhin gebaut werden konnte, und retteten ihn damit vor dem „Aussterben“. Das Fahrzeug ist für Conow Anhängerbau zum Markenzeichen geworden.

Heute noch so gebaut wie vor 50 Jahren

Der HW80 ist so einfach wie genial konstruiert, dass er noch ziemlich genau so gebaut wird, wie bei seiner Erfindung vor rund 50 Jahren. „Das ursprüngliche Konzept hat bis heute Bestand“, sagt Martin Hüttenrauch. „Wir haben mit der Zeit einige Anpassungen vorgenommen, unter anderem an der Bremsanlage, um das Fahrzeug zu modernisieren und Änderungen der Straßenverkehrs-Ordnung gerecht zu werden. Aber von der Basis her ist der HW80 heute noch so, wie seine Entwicklerinnen und Entwickler ihn einst erdacht haben.“ Was ihn so erfolgreich macht? Laut Hüttenrauch ist es vor allem seine Flexibilität bei gleichzeitiger Standhaftigkeit. Und: „Er hat sich draußen, auf den Feldern, einfach bewährt.“

»Durch die Zusammenarbeit von Conow Anhängerbau und BPW wurde bewährte Technik aus Ostdeutschland erfolgreich mit westdeutschem Know-how fusioniert – eine echte Success Story.«

Martin Hüttenrauch, Geschäftsführer von Conow Anhängerbau

BPW überzeugt mit Qualität und Lebensdauer seiner Produkte

Bei den Achsen werden seit Langem keine Originale aus der Anfangszeit des HW80 mehr verbaut – Conow arbeitet mit BPW zusammen. „Die BPW Achsen waren für den HW80 quasi ein Upgrade das ihm noch mehr Qualität und Sicherheit gibt“, so Hüttenrauch. „Die Wahl fiel auf BPW, weil wir einen Hersteller gesucht haben, der dem HW80 gerecht wird – und da hat BPW sich in den vergangenen Jahrzehnten ganz klar herauskristallisiert und sogar eine spezielle Achse für die Umrüstung des HW80 entwickelt. So wurde bewährte Technik aus Ostdeutschland erfolgreich mit westdeutschem Know-how fusioniert – eine echte Success Story.“ Besonders die Robustheit und die Lebensdauer der BPW Fahrwerke für landwirtschaftliche Zwecke überzeugen ihn. Und dass die Achsen so solide gebaut sind: „Sie sind mechanisch im besten Sinne einfach konstruiert und damit ideal für den Agrareinsatz.“ Laut Hüttenrauch laden viele Kunden, auch wenn es gesetzlich nicht so vorgesehen ist, die Anhänger voll. So seien sie schnell überladen: „Wenn man dann vielleicht noch im Mittelgebirge unterwegs ist, und ein überladener Aufbau drückt seitlich oder nach vorn, liegen statt neun dann teilweise 15 bis 16 Tonnen auf einer Achse. Bei den BPW Produkten haben wir die Erfahrung gemacht, dass die das ohne Probleme schaffen.“

»Ich kann das Fahrgestell 50 Jahre lang verwenden, nur der Aufbau verschleißt durch das Be- und Entladen – und der kann einfach erneuert werden, dann hat man quasi ein neues Fahrzeug.«

Martin Hüttenrauch, Geschäftsführer von Conow Anhängerbau

Im Schadensfall einfach zu reparieren

Was den HW80 auch so beliebt habe werden lassen, sei die Tatsache, dass er im Schadensfall sehr einfach zu reparieren ist. Bei Conow konstruiert man nach einer klaren Maxime: Wenn etwas kaputtgeht, müssen die Kunden in der Lage sein, es selbst zu reparieren. „Der Conow-Stil – das ist ‚Keep it simple!‘, also ‚Mach es einfach!‘“, so Hüttenrauch. „Am besten alles mechanisch, ohne Elektrik, denn das schließt Fehlerquellen in der Anwendung aus. Wenn andere hier noch einen Sensor dranbauen und da noch eine Abfrage ermöglichen, ist das alles super. Aber die Realität zeigt, dass die Sensoren kaputtgehen. Dann kann man die Technik nicht nutzen und muss in die Werkstatt.“ Der HW80 sei simpel, in keinster Art und Weise verspielt, sondern rein auf den Nutzen ausgelegt, so Hüttenrauch.

Ökonomisch wie ökologisch ein echter Gewinn

Die Anhänger werden in der Regel auch sehr lange genutzt: „Das ist wie beim Pkw. Man wechselt man dreimal das Auto, aber der Anhänger bleibt meist der gleiche. Genauso ist es in der Landwirtschaft. Und deshalb ist der HW80 unglaublich reizvoll: Ich kann das Fahrgestell 50 Jahre lang verwenden, nur der Aufbau verschleißt durch das Be- und Entladen – und der kann einfach erneuert werden, sodass man quasi ein neues Fahrzeug hat. Ökonomisch wie ökologisch betrachtet ist das ein echter Gewinn für die Nutzerinnen und Nutzer.“ Die Fahrgestelle sind mit ihrem speziellen Design auch hoch standardisiert: „Ich kann jeden Aufbau aus unserer Fertigung überall in die Welt schicken, und er wird immer auf das bestehende Fahrgestell des HW80 passen, egal wie alt das einzelne Fahrzeug ist.“ 2021 war beispielsweise ein Fahrzeug mit Baujahr 1973 zur Runderneuerung bei Conow in der Werkstatt– und wurde dort mit einem neuen Aufbau modernisiert.

Inzwischen hat das Originalmodell noch einen großen Bruder bekommen: Der HW180 ist ebenfalls mit BPW Achsen ausgestattet, hat eine Nutzlast von rund 13 Tonnen und wird von kleinen Pferdehöfen genauso eingesetzt wie von industriellen Kunden, die bis zu 20.000 Hektar Land bewirtschaften. „Auch solche großen Betriebe kaufen diese Züge, weil sie bei keinem anderen Hersteller solche Flexibilität bekommen. Denn die Fahrzeuge können vom ersten Mal Mist-Rausbringen im Februar über Häckseln und Paletten fahren bis zum Rapsstich im Herbst komplett genutzt werden – während andere beispielsweise nur zur Ernte von Getreide im Sommer für kurze Zeit rausgeholt werden und dann wieder 49 Wochen in der Scheune stehen.“

»Der Conow-Stil – das ist ‚Keep it simple!‘, also ‚Mach es einfach!‘. Am besten alles mechanisch, ohne Elektrik, denn das schließt Fehlerquellen in der Anwendung aus.«

Martin Hüttenrauch, Geschäftsführer von Conow Anhängerbau

Götter im Schweißen

Im Team von Conow Anhängerbau sind Kolleginnen und Kollegen, die seit 30 Jahren für das Haus arbeiten. „Es sind Mitarbeitende dabei, die haben wir angelernt, sie haben bei uns ihren Meister gemacht und arbeiten jetzt in entsprechenden Positionen“, erzählt Hüttenrauch. „Genauso haben wir Kollegen, die schweißen seit drei Jahrzehnten nichts als Fahrgestelle – und sind Götter in dem, was sie tun. Sie haben unglaublich viel Know-how – in ihren Köpfen und in ihren Händen.“ Er selbst ist seit zwei Jahren an Bord und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen der einzelnen Mitarbeitenden aus dem Unternehmen in standardisiertes Wissen zu übertragen. „Wir müssen es schaffen, dass ein gelernter Schlosser, der neu in unser Team kommt, in einem halben Jahr alles Wichtige lernt, damit er selbstständig arbeiten kann.“ So bekommen auch junge Kolleginnen und Kollegen die Chance, sich zu beweisen und Erfahrung aufzubauen – damit Conow langfristig zukunftsfähig bleibt und der HW80 seine Erfolgsgeschichte fortschreiben kann.

CONOW ANHÄNGERBAU

Conow Anhängerbau ist spezialisiert auf den Bau und die Reparatur von landwirtschaftlichen Anhängern. 1992 gegründet, produziert das Unternehmen mit Sitz an der Mecklenburgischen Seenplatte Anhänger wie Ballentransportwagen, Tandemkipper und Abschiebe- oder Überladewagen. Es ist Teil einer Holding, der Gut Conow, die sich in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Maschinenbau und Dienstleistungsgewerbe engagiert. Die Schwesterunternehmen züchten beispielsweise Rinder, bauen Freizeit-Flöße, die vermietet werden, oder betreiben ein Hotel und Telefonstudios. Die Holding hat sich der Vision verschrieben, die Ursprünglichkeit der Natur rund um Conow zu erhalten, „die Natur vor dem Menschen zu bewahren und gezielt für den Menschen zu erschließen“. Laut Martin Hüttenrauch hilft gerade die landwirtschaftliche Erfahrung in der Holding seinem Team immer wieder bei Neuentwicklungen und dabei, Ideen in der Praxis zu testen. Conow Anhängerbau hat rund 65 Beschäftigte und wird derzeit an die zweite Generation übergeben. Der Umsatz lag 2020 bei 6,3 Millionen Euro, 2021 bei 8,4 Millionen – und für 2022 werden 9 bis 9,5 Millionen Euro erwartet.

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